Kalter Winter in Thüringen: Bienen profitieren von Frost, doch Herausforderungen bleiben
Thüringens Imker blicken mit vorsichtigem Optimismus auf das laufende Jahr. Der frostige Winter mit Schnee hat den Honigbienen in der kalten Jahreszeit eine wertvolle Ruhephase beschert. Durch die stabilen, niedrigen Temperaturen mussten sich die Insekten nicht an große Schwankungen der Außentemperaturen anpassen, was ihren Energiehaushalt schonte. Dies erklärt Heidrun Schmidt, die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Thüringer Imker.
Früher Frühling als zweischneidiges Schwert
Gleichzeitig stellt der vergleichsweise frühe Start der Natur ins Frühjahr die Bienen und ihre Halter vor eine ambivalente Situation. „Die Völker bauen sich jetzt stark auf, wenn dann aber eine Kälteperiode kommt, muss man schauen, was davon übrigbleibt“, sagt Schmidt. Sie erinnert an den starken Frost vor zwei Jahren, der zu erheblichen Schäden an den Blüten von Obstbäumen führte und die Nahrungsgrundlage der Bienen beeinträchtigte.
Salweide als wichtige Nahrungsquelle
Im Vorfrühling bietet vor allem die Salweide mit ihren flauschigen Weidenkätzchen den Bienen eine entscheidende Nahrungsquelle. „Dort sammeln sie nun den Pollen, das sieht man an den 'Höschen' an den Bienenbeinen“, so Schmidt. Dieser eiweißhaltige Pollen ist nicht nur für die erwachsenen Tiere, sondern insbesondere für den Nachwuchs der Insekten von großer Bedeutung. In den Bienenstöcken wird derzeit intensiv die nächste Generation aufgezogen.
Varroa-Milbe bleibt größte Sorge
Größere Völkerverluste über den Winter sind unter den Verbandsmitgliedern bisher nicht bekannt geworden. Ein ausschlaggebender Faktor für den Gesundheitszustand der Bienenvölker ist jedoch nach wie vor der Milbendruck in der jeweiligen Region. Die winzige Varroa-Milbe bereitet Imkern seit Jahren erhebliche Probleme: Sie saugt den Bienen-Nachwuchs aus und kann gefährliche Viren und Bakterien übertragen. Verschiedene Züchtungsprogramme zielen darauf ab, die Honigbiene resistenter gegenüber diesem Parasiten zu machen.
Wirtschaftlicher Druck auf Imker
Die Zahl der Vollerwerbsimker in Thüringen wird von Schmidt auf lediglich 10 bis 15 geschätzt. Das Geschäft werde immer schwieriger, nicht zuletzt aufgrund des wachsenden wirtschaftlichen Drucks durch Honigimporte aus dem Ausland. Im Landesverband sind etwa 3.000 Imker organisiert, die meisten davon als Hobby-Imker. Daten der Tierseuchenkassen deuten jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Imker in Thüringen noch deutlich höher liegt.
Insgesamt zeigt sich, dass der kalte Winter zwar positive Effekte für die Bienengesundheit hatte, die Imker in Thüringen aber weiterhin mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sind – von klimatischen Unsicherheiten bis hin zu ökonomischen und gesundheitlichen Risiken für ihre Völker.



