Thüringens Regierung startet umfassende Modernisierungsoffensive
Im Thüringer Landtag in Erfurt hat Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) eine ambitionierte Modernisierungsagenda für den Freistaat vorgestellt. In seiner Regierungserklärung kritisierte der Regierungschef, dass Reformen in Thüringen in der Vergangenheit zu zögerlich angegangen worden seien. „Wir sind angetreten, um abzuliefern“, betonte Voigt und kündigte ein deutlich höheres Tempo bei der Transformation des Landes an. Die Koalition aus CDU, BSW und SPD habe sich zum Ziel gesetzt, Thüringen zu einer der „Top 5-Wachstumsregionen“ in Deutschland zu entwickeln.
Wirtschaftliche Modernisierung im Fokus
Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, plant die Landesregierung für das Jahr 2026 konkrete Maßnahmen in mehreren Schlüsselbereichen:
- Weitere Senkung bürokratischer Hürden für die Wirtschaft
- Neuordnung von Förderprogrammen zur effizienteren Unterstützung
- Überarbeitung des Thüringer Energiegesetzes
- Einrichtung eines Fonds zur Unterstützung des Strukturwandels und von Innovationen
Voigt verwies darauf, dass Thüringen bereits im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2025 zu den wenigen Bundesländern mit positivem Wachstum gehörte. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes verzeichnete der Freistaat im ersten Halbjahr 2025 ein reales Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent – während bundesweit kein preisbereinigtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gemessen wurde. In den fünf ostdeutschen Bundesländern lag das reale Wachstum mit nur 0,1 Prozent knapp über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
Bildung und Fachkräftesicherung als Prioritäten
Ein zentrales Anliegen der Regierung ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs. Laut Voigt werden bis 2035 insgesamt fast 140.000 Menschen mehr aus dem Berufsleben ausscheiden als junge Leute nachrücken. Dagegen will die Landesregierung mit mehreren Initiativen vorgehen:
- Verbesserungen im Bildungssystem zur Qualifizierung des Nachwuchses
- Einführung einer kostenlosen Meisterausbildung
- Profilierung der Hochschulen durch eine neue Rahmenvereinbarung mit fünf- bis zehnjähriger Laufzeit
„Thüringen wird sich dabei auf seine Stärken konzentrieren“, erklärte der Ministerpräsident. Das Land könne sich nicht den Luxus leisten, auf sinkende Studierendenzahlen mit steigenden Ausgaben zu reagieren.
Transparenz und Rechenschaftspflicht
Ein besonderes Anliegen Voigts ist die Steigerung der Transparenz und Abrechenbarkeit der Regierungsarbeit. Der Ministerpräsident kündigte an, künftig jährlich dem Landtag einen detaillierten Arbeitsplan der Regierung vorzulegen und Bilanz über die Ergebnisse des Vorjahres zu ziehen. „Politik soll für Abgeordnete und Bürger transparenter und abrechenbarer werden“, betonte er.
Weitere Vorhaben für 2026 umfassen die Reduzierung von Unterrichtsausfall, Strukturveränderungen in Kindergärten und im Gesundheitssystem. Mit Investitionen in Höhe von 245 Millionen Euro in diesem und dem kommenden Jahr plant die Regierung die größten Krankenhausinvestitionen seit Jahren.
Voigt richtete sich auch an die Oppositionsfraktionen von Linke und AfD: „Ich lade die Opposition ein, mitzumachen, damit Thüringen vorankommt“. Der Ministerpräsident forderte die politischen Gegner auf, die Modernisierung des Freistaats gemeinsam voranzubringen.



