Tour de France: Evenepoel attackiert Lipowitz – Red-Bull-Krach eskaliert
Evenepoel attackiert Lipowitz – Red-Bull-Krach

Bei der Tour de France ist es zu einem schweren Konflikt innerhalb des deutschen Rennstalls Red Bull-Bora-hansgrohe gekommen. Der belgische Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel (26) hat seinen deutschen Co-Kapitän Florian Lipowitz (25) öffentlich scharf angegriffen. Grund ist ein Vorfall auf der 6. Etappe, die nach Gavarnie-Gèdre führte.

Evenepoel fordert Hilfe – Lipowitz lehnt ab

Während die Superstars Tadej Pogacar (27) und Jonas Vingegaard (29) bereits im Ziel waren und die Plätze eins und zwei in der Gesamtwertung belegten, kämpfte Evenepoel um den dritten Platz. Er wollte unbedingt als Dritter ins Ziel kommen, um vier Sekunden Zeitgutschrift zu erhalten. Dafür bat er Lipowitz um ein sogenanntes Lead-out, also um Tempomacht über die letzten tausend Meter, damit Evenepoel aus seinem Windschatten zum Sprint auf den dritten Rang ansetzen konnte. Doch Lipowitz lehnte ab und signalisierte, dass er erschöpft sei – insbesondere nach der Überquerung des Tourmalet.

Evenepoel zeigte sich darüber verärgert und ließ seinem Frust freien Lauf: „Ich hatte nach einem Lead-out gefragt, aber keinen bekommen. Ja, ich war sauer, und das zurecht.“ Nach Informationen der Bild-Zeitung fragte Evenepoel den Schwaben direkt, ob er ihm helfen könne, doch dieser verneinte.

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Evenepoels Vorwürfe: „Das werden wir heute Abend diskutieren“

Der Belgier, der seit diesem Jahr für Red Bull fährt, kritisierte Lipowitz öffentlich und erinnerte an eine frühere Situation: „Bei der Katalonien-Rundfahrt bin ich 30 Kilometer von vorn für ihn gefahren. Ich habe nach lediglich einem Kilometer gefragt und das war nicht möglich. Das werden wir heute Abend noch ausführlich diskutieren.“ Die Aussage klang wie eine Drohung gegenüber seinem Teamkollegen. Eine offizielle Stellungnahme des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe zu dem Vorfall gibt es bislang nicht.

Der Konflikt offenbart tiefe Risse in der Doppelspitze des deutschen Rennstalls. Schon vor dem Tourstart hatte Evenepoel für Aufsehen gesorgt, als er Journalisten anmaulte, die nach den Lernmöglichkeiten zwischen ihm und Lipowitz fragten. Evenepoel konterte damals: „Ich frage Sie doch auch nicht, was sie von anderen Journalisten lernen können. Dann würde ich ja sagen, Sie seien ein schlechter Journalist.“

Lipowitz mit stärkeren Beinen – Evenepoel schwächelt

Auf der 6. Etappe zeigte sich, dass Lipowitz offenbar die besseren Beine hatte. Während Pogacar seinen Edelhelfer Isaac del Toro (22) richtig platzierte – dieser wurde schließlich Dritter –, wartete Lipowitz auf den schwächelnden Evenepoel, bis dieser zu seiner Gruppe aufgeschlossen hatte. Die größere Formation arbeitete jedoch nicht gut zusammen, sodass Vingegaard unbehelligt ins Ziel fahren konnte. Ein möglicher Angriff auf Vingegaard, der alleine fuhr, blieb dadurch aus.

Es ist nicht der erste Zusammenstoß bei Red Bull mit einer Doppelspitze. Bereits im Vorjahr verweigerte der Slowene Primoz Roglic (36) dem damals stärkeren Lipowitz die Gefolgschaft. Phasenweise hatte man den Eindruck, Roglic fahre gegen seinen eigenen Teamkollegen. Dennoch schaffte es Lipowitz aufs Podium – ein Ziel, das er auch in diesem Jahr anstrebt. Die grobe Einteilung sieht vor, dass die dritte Woche in den Alpen Lipowitz besser liegt als Evenepoel, der vor einem Jahr nach 14 Etappen entkräftet aufgeben musste.

Wie managt Red Bull den Konflikt?

Nach dem öffentlichen Schlagabtausch ist kaum vorstellbar, dass Evenepoel für Lipowitz führen wird, falls er durchhält. Die Teamleitung steht vor einer schwierigen Aufgabe: Sie muss die beiden Kapitäne unter einen Hut bringen, ohne die Gesamtchancen zu gefährden. Der interne Zwist könnte für den deutschen Rennstall zur größeren Herausforderung werden als der Kampf um die Spitze der Tour de France.

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