Im Mordprozess um den sechsjährigen Fabian in Rostock hat der Psychotherapeut der Hauptangeklagten Gina H. erstmals vor Gericht ausgesagt. Der Therapeut wurde von seiner Schweigepflicht entbunden und legte detaillierte Angaben zu den Therapiesitzungen mit der 32-jährigen Mutter vor. Dabei rückten mehrere Widersprüche in ihren früheren Schilderungen in den Fokus der Verhandlung.
Belastende Aussage des Therapeuten
Laut BILD-Reporterin Isabel Pfannkuche, die vor Ort in Rostock berichtet, schilderte der Psychotherapeut, dass Gina H. in der Therapie wiederholt von einem „Unfall“ sprach, während sie der Polizei und der Staatsanwaltschaft gegenüber von einer gezielten Tötung ihres Sohnes ausgesagt hatte. „Die Diskrepanz zwischen dem, was sie mir anvertraute, und dem, was sie offiziell aussagte, war eklatant“, erklärte der Zeuge vor dem Landgericht Rostock.
Der Therapeut betonte, dass Gina H. in den Sitzungen mehrfach beteuerte, Fabian sei aus Versehen gestorben. „Sie sagte immer wieder: ‚Es war ein Unfall, ich wollte das nicht.‘“ Diese Darstellung widerspricht jedoch den Aussagen der Angeklagten im Ermittlungsverfahren, in denen sie einräumte, ihren Sohn mit einem Messer attackiert zu haben.
Weitere Puzzlestücke im Fall Fabian
Die Aussage des Psychotherapeuten ist ein weiteres Puzzlestück in dem komplexen Fall. Bereits zuvor hatten Zeugen wie eine Polizistin zum Alibi des Vaters ausgesagt und ein Profiler erklärt, dass der Täter Fabian gekannt haben müsse. Die Verteidigung von Gina H. kündigte an, die Glaubwürdigkeit des Therapeuten anzuzweifeln, da dieser möglicherweise unter Druck der Ermittlungsbehörden stehe.
Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, ihren Sohn am 12. Mai 2025 in der gemeinsamen Wohnung in Rostock getötet zu haben. Die Obduktion ergab multiple Stichverletzungen, die mit einem Campingmesser zugefügt worden sein sollen. Die Angeklagte selbst schweigt zu den Vorwürfen, ihre Verteidiger plädieren auf Totschlag im Affekt.
Widersprüche in den Aussagen der Angeklagten
Richter und Staatsanwälte sehen in den Aussagen des Therapeuten einen wichtigen Hinweis auf die tatsächlichen Geschehnisse. „Die Widersprüche in den Schilderungen von Frau H. sind offensichtlich“, sagte ein Sprecher des Gerichts. „Es wird nun darauf ankommen, ob die Kammer diese Diskrepanzen als Indiz für eine vorsätzliche Tat wertet.“
Der Prozess wird in den kommenden Wochen mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Die BILD-Reporterin Isabel Pfannkuche wird weiterhin aus dem Gerichtssaal berichten.



