Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat sich in einer deutlichen Ansage gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino und dessen Pläne für künftige Weltmeisterschaften gewandt. Der 74-Jährige kritisierte die zunehmende Kommerzialisierung und Aufblähung des Turniers, das seiner Meinung nach den sportlichen Kern verloren habe. „Wenn er Fidschi gegen Kap Verde will, dann soll er das machen – aber nicht unter dem Namen Weltmeisterschaft“, sagte Hoeneß mit spitzer Zunge in Richtung Infantino.
Hintergrund der Kritik: Infantinos Reformpläne
Infantino hatte zuletzt mehrfach Vorschläge für eine Reform der WM unterbreitet, darunter die Aufstockung auf 48 Teams und die Einführung eines Drei-Länder-Formats. Zudem wird diskutiert, die WM künftig alle zwei Jahre auszutragen. Diese Ideen stoßen bei vielen Fußball-Experten und Funktionären auf Widerstand. Hoeneß nannte die Entwicklungen „gefährlich für den Fußball“ und forderte ein Umdenken: „Man muss endlich aufhören, die Fans und Spieler zu überfordern.“
Konkrete Vorwürfe: „Unsäglichkeit“ der Fifa-Politik
Der ehemalige Bayern-Manager, der über Jahrzehnte den deutschen Fußball mitgeprägt hat, ließ kein gutes Haar an Infantinos Strategie. Er bezog sich dabei auf die umstrittene Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien und die Menschenrechtsprobleme in Katar 2022. „Das, was da passiert, ist in seiner ganzen Unsäglichkeit nicht mehr zu übertreffen“, betonte Hoeneß. Er forderte die Nationalverbände auf, mehr Verantwortung zu übernehmen: „Die Fifa ist nur so stark, wie die Mitglieder es zulassen.“
Reaktionen und Auswirkungen
Die Aussagen von Hoeneß kommen nicht überraschend. Bereits in der Vergangenheit hatte er sich kritisch zur Entwicklung des Weltfußballs geäußert. Experten wie der frühere Nationalspieler Lothar Matthäus zeigten Verständnis: „Uli spricht vielen aus der Seele. Infantinos Verhalten wird in meinem Kopf bleiben – aber nicht positiv.“ Der Sport-Informations-Dienst (SID) berichtete, dass Hoeneß' Ansage innerhalb der deutschen Fußballszene breite Zustimmung findet. Eine offizielle Reaktion der Fifa steht noch aus.
Zahlen und Fakten zur WM-Debatte
Die aktuelle WM-Endrunde in Katar 2022 umfasste 64 Spiele mit 32 Teams. Für 2026 ist bereits die Aufstockung auf 48 Teams in den USA, Kanada und Mexiko beschlossen – das bedeutet 104 Spiele. Infantino hatte sogar eine 48er-WM mit 16 Dreiergruppen ins Gespräch gebracht, was zu mehr politischen und logistischen Problemen führen würde. Hoeneß forderte eine Rückbesinnung: „Wir brauchen weniger Spiele, aber mehr Qualität. Die Nationalmannschaften sind schon jetzt überlastet.“
Ausblick: Wie geht es weiter?
Die Diskussion um die WM-Reform wird die Fußball-Welt noch länger beschäftigen. Mit Hoeneß hat sich nun eine der einflussreichsten Stimmen des deutschen Fußballs klar positioniert. Ob Infantino darauf eingeht, bleibt fraglich. Der Fifa-Präsident gilt als wenig kompromissbereit. Doch der Druck wächst: Immer mehr Verbände und Spielergewerkschaften warnen vor einer Überbelastung der Akteure und einer Entwertung des Turniers.



