Der weltweit größte Onlinehändler Amazon hat im zweiten Quartal 2026 mit einem überraschend starken Wachstum seiner Cloud-Sparte überzeugt. Die Umsätze von Amazon Web Services (AWS) stiegen um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Konzernchef Andy Jassy betonte, dies sei das stärkste Wachstum seit 18 Quartalen. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von rund 31 Prozent gerechnet.
Starkes Cloud-Wachstum treibt Aktie an
Die positive Entwicklung bei AWS schlug sich unmittelbar im Aktienkurs nieder: Im nachbörslichen Handel an der Wall Street legten die Amazon-Aktien um neun Prozent zu. Anleger zeigten sich erleichtert, dass der US-Konzern seine milliardenschweren Investitionen in beschleunigtes Wachstum – insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) – in steigende Umsätze ummünzen kann. Ähnliche Reaktionen hatte es zuvor beim Konkurrenten Microsoft gegeben. Die Amazon-Zahlen dämpften zudem die Befürchtungen, der KI-Boom könnte an Dynamik verlieren.
Konzernerlöse und Gewinn übertreffen Erwartungen
Die Gesamterlöse des Amazon-Konzerns stiegen im Berichtszeitraum um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar. Der Reingewinn übertraf mit 5,75 Dollar je Aktie die Markterwartungen deutlich. Positiv wirkten sich hier Buchgewinne aus der Beteiligung am KI-Entwickler Anthropic aus. Die operative Marge verbesserte sich ebenfalls, was auf Effizienzgewinne im Kerngeschäft und die hohen Margen von AWS zurückzuführen ist.
Ausblick für das laufende Quartal
Für das dritte Quartal 2026 stellte Amazon ein Umsatzplus von neun bis zwölf Prozent in Aussicht. Dies entspricht einem erwarteten Umsatz von 197 bis 202 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn soll demnach um 29 bis 52 Prozent auf 22,5 bis 26,5 Milliarden Dollar steigen. Die Prognose spiegelt das anhaltende Wachstum im Cloud-Geschäft und die steigende Nachfrage nach KI-Diensten wider.
Wettbewerb und Branchenumfeld
Während Amazon und Microsoft von der KI-Nachfrage profitieren, zeigte sich der Wettbewerber Meta am selben Tag enttäuscht. Meta veröffentlichte einen schwachen Ausblick, der die Anleger verschreckte und die Aktie unter Druck setzte. Die unterschiedliche Performance unterstreicht die strategische Bedeutung von Cloud- und KI-Investitionen für Technologiekonzerne. Amazon sieht sich jedoch auch weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert, darunter regulatorische Fragen und der Wettbewerb im E-Commerce.
Fazit: KI bleibt Wachstumstreiber
Die überraschend starken AWS-Zahlen untermauern, dass Künstliche Intelligenz zunehmend zum zentralen Wachstumstreiber für Amazon wird. Die Investitionen in KI-Infrastruktur, etwa in Rechenzentren und Chips, zahlen sich aus. Analysten erwarten, dass AWS auch in den kommenden Quartalen überdurchschnittlich zulegen wird. Der Konzern bleibt damit auf Kurs, seine Position als führender Cloud-Anbieter weiter auszubauen.



