Der sportliche Rückschritt im deutschen Eishockey hat Konsequenzen: Bundestrainer Harold Kreis muss seinen Posten räumen. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) trennte sich von dem 62-Jährigen, nachdem die Nationalmannschaft bei den vergangenen drei Turnieren enttäuscht hatte. Die Entscheidung fiel nach einer Analyse des jüngsten WM-Aus in der Schweiz, wie der Verband am Donnerstag mitteilte. Sportchef Christian Künast, der ebenfalls in der Kritik stand, bleibt hingegen im Amt.
Einvernehmliche Trennung nach schwachen Leistungen
Laut DEB erfolgte die Trennung einvernehmlich. „Die Zusammenarbeit mit Harold war zu jeder Zeit von Vertrauen, Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt – auch menschlich war sie über die gesamte Zeit hervorragend. Deshalb ist uns diese Entscheidung nicht leichtgefallen“, erklärte Künast. „Zugleich sehen wir, dass die Entwicklung der Männer-Nationalmannschaft zuletzt stagnierte, und diese sportliche Gesamteinschätzung hat letztlich zu unserer Entscheidung geführt.“ Der Verband sei überzeugt, dass ein neuer Impuls nötig sei.
Kreis selbst zeigte sich dankbar: „Die vergangenen drei Jahre mit der Nationalmannschaft waren eine besondere Zeit, an die ich mit großer Dankbarkeit zurückdenke.“ Er wünschte Verband und Mannschaft alles Gute. Sein Vertrag war erst im vergangenen Jahr bis 2027 verlängert worden – ein Jahr vor der Heim-WM in Deutschland.
Enttäuschung bei Olympia und WM
Höhepunkt der Amtszeit von Kreis war der überraschende Einzug ins WM-Finale 2023, wo Deutschland Kanada mit 2:5 unterlag. Doch danach ging es bergab: Bei der WM 2024 in Tschechien scheiterte das Team bereits im Viertelfinale, 2025 in der Schweiz wurde sogar das Minimalziel Viertelfinale verpasst. Besonders bitter war das olympische Turnier in Peking 2022, bei dem die vermeintlich beste deutsche Nationalmannschaft mit allen NHL-Stars um Leon Draisaitl trotz günstigen Spielplans eine Medaille leichtfertig verspielte.
Spieler kritisierten anschließend öffentlich das Coaching und die Organisation. Künast zeigte sich selbstkritisch, zog aber zunächst keine personellen Konsequenzen. Nun traf es Kreis – jedoch nicht den Sportchef.
Kritik an Kreis' Entscheidungen
Zuletzt mehrten sich die Absagen für die Nationalmannschaft. Zudem wurde Kreis für seine Personalauswahl, die Einsatzzeiten der Stars bei Olympia und sein Coaching während der Spiele kritisiert. Bei der WM verzichtete er in entscheidenden Momenten auf Auszeiten und ließ strittige Tor-Entscheidungen gegen Deutschland nicht überprüfen.
Der DEB hofft nun auf einen Neuanfang. Wer die Nachfolge von Kreis antritt, ist noch offen. Die Heim-WM 2027 rückt näher – und der Druck wächst.



