Olympia-Debakel: Deutsche Eishockey-Auswahl verpasst historische Medaillenchance im Viertelfinale
Deutsche Eishockey-Auswahl verpasst Olympia-Medaille im Viertelfinale

Olympia-Aus für deutsche Eishockey-Cracks: Viertelfinal-Debakel gegen Slowakei

Mailand - Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat bei den Olympischen Winterspielen eine historische Chance vertan. Trotz des besten Kaders aller Zeiten mit neun NHL-Profis unterlag das Team im Viertelfinale der Slowakei mit einem enttäuschenden 2:6 (0:1, 1:3, 1:2). Superstar Leon Draisaitl sprach nach dem Spiel von einer "verbrauchten Chance", die seinem Team durch die Finger geglitten sei.

Weltklasse-Kader bringt keine Medaille

Noch nie war eine deutsche Eishockey-Auswahl so prominent besetzt wie bei diesen Olympischen Spielen. Mit Leon Draisaitl, Tim Stützle und Moritz Seider standen gleich drei absolute Weltklassespieler aus der nordamerikanischen Profiliga NHL im Aufgebot. Dazu kamen weitere Leistungsträger wie JJ Peterka und Torhüter Philipp Grubauer. Insgesamt neun Spieler mit NHL-Erfahrung sollten den Weg zu einer olympischen Medaille ebnen.

Doch gegen die ausgeruhten Slowaken, die als Bronzemedaillengewinner von 2022 antraten, zeigte sich das deutsche Team über weite Strecken des Spiels überfordert. "In so einem Spiel musst du dir so lange wie möglich die Chance geben, das Spiel zu gewinnen. Das haben wir überhaupt nicht gemacht", kritisierte Kapitän Draisaitl die defensive Schwäche seines Teams. "Ich weiß nicht, wie viele Konter wir zugelassen haben. Auf jeden Fall viel zu viele."

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Bundestrainer gesteht Fehler ein

Bundestrainer Harold Kreis räumte nach der Niederlage taktische Fehler ein. Interessanterweise verwies er zunächst auf die physische Erschöpfung seiner Mannschaft, die ihr zweites Spiel innerhalb von weniger als 24 Stunden bestreiten musste, während die Slowaken drei Tage Pause hatten. "Tempo hängt auch ein bisschen mit dem physischen Zustand zusammen", erklärte Kreis.

Doch die Spieler selbst ließen diese Ausrede nicht gelten. "Das darf keine Ausrede sein", sagte Top-Verteidiger Moritz Seider entschieden. Der 24-Jährige merkte zudem an, dass schon bei der WM-Enttäuschung im vergangenen Mai in Dänemark strukturelle Probleme sichtbar geworden seien, als Deutschland das Viertelfinale verpasst hatte.

Offensivspiel zu einseitig auf Draisaitl ausgerichtet

Ein zentrales Problem des deutschen Teams schien die zu starke Fokussierung auf die Fähigkeiten von Leon Draisaitl und Tim Stützle zu sein. Der Ausnahmekönner Draisaitl erhielt gegen die Slowaken knapp 30 Minuten Eiszeit - ein extrem hoher Wert, der möglicherweise zur Ermüdung in den entscheidenden Spielphasen beitrug.

"Die Frage ist vielleicht berechtigt, ob ich die zu viel eingesetzt habe", gestand Bundestrainer Kreis selbstkritisch ein. Sein Vertrag war bereits vor Olympia bis zur Heim-WM 2027 verlängert worden, doch nach diesem Debakel wird sich der Trainer kritischen Fragen stellen müssen.

Mannschaft fand nie zu ihrer Identität

Leon Draisaitl bestätigte nach dem Spiel, dass die Mannschaft nie wirklich zu ihrem charakteristischen Spiel gefunden habe. "Wir hätten schon gerne besser gespielt, haben aber nie so richtig zu unserem Spiel gefunden", sagte der Weltklasse-Stürmer. "Manchmal finden sich Mannschaften schneller. Manchmal dauert es eben etwas länger. Bei uns hat es etwas zu lange gedauert, um unsere Identität zu finden."

Abwehrroutinier Moritz Müller von den Kölner Haien, der wegen der NHL-Stars diesmal nicht zum Kreis der drei Kapitäne gehörte, resümierte nüchtern: "Man hätte insgesamt das Potenzial gehabt, sich hier besser zu verkaufen. Das ist uns leider nicht gelungen."

Die beiden deutschen Treffer durch Lukas Reichel in der 35. Minute und Frederik Tiffels in der 50. Minute kamen beide viel zu spät, um das Spiel noch zu drehen. Bereits in der Vorrunde hatte sich das hochgelobte deutsche Team mit einer peinlichen 3:4-Niederlage gegen Lettland schwer getan und sich damit die schwierigere Ausgangsposition für die K.o.-Phase geschaffen.

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