Eishockey-Olympia-Debakel: Bundestrainer und Sportdirektor räumen Fehler ein
Eishockey-Olympia-Debakel: Fehler eingeräumt

Eishockey-Olympia-Debakel in Mailand: Bundestrainer und Sportdirektor gestehen Versäumnisse

Der kümmerliche Auftritt der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Mailand hinterlässt tiefe Spuren. Nach dem klaren 2:6-Viertelfinal-Aus gegen die Slowakei räumen sowohl Bundestrainer Harold Kreis als auch Sportdirektor Christian Künast gravierende Fehler ein. Die Stimmung im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) ist ein Jahr vor der Heim-Weltmeisterschaft 2027 ausgesprochen mies.

Verpasste Chance der goldenen NHL-Generation

Die schnelle Abreise der NHL-Stars aus dem olympischen Dorf in Mailand sprach Bände. Bereits am frühen Donnerstagmorgen nach dem Ausscheiden verließ Superstar Leon Draisaitl mit dem ersten Shuttle Richtung Flughafen. „Es ist eine große verpasste Chance“, gestand der zweifache Stanley-Cup-Sieger Nico Sturm vor seiner Abreise. Diese einmalige Gelegenheit mit der aktuell stärksten deutschen NHL-Generation aller Zeiten dürfte sich so nicht wiederholen.

Bei den nächsten Winterspielen in vier Jahren wird Draisaitl bereits 34 Jahre alt sein und kaum mehr zur absoluten Weltspitze gehören. Auch Sturm erreicht dann dieses Alter, während Torhüter Philipp Grubauer sogar 38 Jahre zählen wird. Aus dem Nachwuchsbereich ist außer dem 16-jährigen Top-Talent Max Penkin kaum neuer Weltklasse-Nachschub in Sicht. „Wir haben Strukturen geschaffen, die wirklich gut sind. Aber jetzt muss aus der Struktur die Qualität kommen“, erklärte Sportvorstand Christian Künast.

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Fehleranalyse und mangelnde Teamhomogenität

Obwohl Platz sechs bei einem Olympiaturnier mit allen weltbesten Spielern auf dem Papier respektabel erscheint, war die Art des Ausscheidens ernüchternd. „Die Art und Weise, wie wir hier gespielt haben, ist ja völlig enttäuschend“, räumte Sturm ein. Besonders schmerzhaft: Das Viertelfinale gegen die personell schwächeren Slowaken bot eine realistische Chance auf das Halbfinale, die jedoch nicht genutzt wurde.

Die Integration der neun NHL-Profis in ein ansonsten fast ausschließlich aus DEL-Spielern bestehendes Team erwies sich als Herkulesaufgabe. Bundestrainer Harold Kreis, dessen Vertrag bereits vor Olympia bis zur Heim-WM 2027 verlängert wurde, gestand Fehler bei der Spielerverteilung ein: „Die Frage ist vielleicht berechtigt, ob ich die zu viel eingesetzt habe“, bezog er sich auf die einseitig verteilten Eiszeiten zugunsten der NHL-Stars.

Kapitänsfrage und taktische Defizite

Die automatische Vergabe der Kapitänsrollen an die drei größten NHL-Stars Draisaitl, Seider und Stützle erwies sich als kontraproduktiv für die Teamhomogenität. Die Bedeutung des langjährigen Kapitäns Moritz Müller, der für Olympia abgesetzt wurde, wurde in Mailand schmerzlich deutlich. „Man hätte insgesamt das Potenzial gehabt, sich hier besser zu verkaufen“, stellte Müller vielsagend fest.

Auf dem Eis wirkte die Mannschaft wie zwei separate Teams: Die hochtalentierten NHL-Spieler und die DEL-Profis, die auf diesem absoluten Top-Niveau teilweise überfordert schienen. Die taktische Ausrichtung beschränkte sich oft darauf, den Puck möglichst schnell Draisaitl, Stützle und Co. zuzuspielen – nach dem Motto: Die werden es schon richten.

Konsequenzen und Zukunftsperspektiven

Sportvorstand Künast kündigte eine ehrliche Analyse an: „Da müsst ihr uns ein bisschen Zeit geben“. Eine Vertragskündigung von Bundestrainer Kreis ist jedoch kaum zu erwarten, da sich Künast damit selbst infrage stellen würde. Der neue DEB-Vorstandsvorsitzende Frank Lutz trat während des gesamten Olympiaturniers nicht öffentlich in Erscheinung.

Kritik kommt auch von externen Experten. Der frühere NHL-Profi und aktuelle Nürnberger Sportdirektor Stefan Ustorf übte im Podcast „Schlagschuss“ deutliche Kritik an den Spielerrollen. Besonders die übermäßigen Eiszeiten für die enttäuschenden Marc Michaelis und Dominik Kahun gegenüber Nico Sturm, der auf die vierte Reihe festgelegt wurde, stießen auf Unverständnis.

Die WM im Mai in der Schweiz wird voraussichtlich ohne die meisten NHL-Topspieler stattfinden, da diese mit ihren Teams in den Playoffs gebunden sind. Damit bleibt nur wenig Zeit, um vor der Heim-WM 2027 die dringend benötigte Mannschaftsharmonie und taktische Klarheit zu entwickeln.

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