Lionel Messi steht erneut kurz vor dem WM-Gipfel, während Harry Kane nach dem geplatzten Traum im Tal der Tränen zurückbleibt. In einem hochintensiven Halbfinale in Atlanta setzte sich Titelverteidiger Argentinien mit 2:1 (0:0) gegen das von Thomas Tuchel trainierte England durch. Während die Three Lions 60 Jahre nach ihrem einzigen Triumph weiter warten müssen, treffen Messi und Co. am Sonntag in New York auf Spanien. Vor 68.239 Fans ging England durch Anthony Gordon (55. Minute) in Führung, doch Enzo Fernandez (85.) und Lautaro Martínez (90+2.) drehten die Partie.
Emotionale Atmosphäre vor dem Anpfiff
Dass dieses sechste WM-Duell der beiden Nationen mehr als nur ein Fußballspiel war, war schon weit vor dem Anpfiff zu spüren. Ob der auf der Anzeigetafel eingeblendete Sir David Beckham oder der abgespielte Britpop – alles Englische wurde von den sich deutlich in der Überzahl befindenden argentinischen Fans gnadenlos ausgepfiffen. Selbst die Hymne „God save the king“ war nicht zu verstehen. Vor dem Anpfiff hatte der bekannte Box-Ansager Michael Buffer seinen Auftritt bei der Vorstellung der Teams. Als es losging, fühlte man sich wie im Boxring. Schon nach drei Minuten musste US-Schiedsrichter Ismail Elfath die erste Rudelbildung auseinanderbringen, nachdem Enzo Fernandez Elliot Anderson gefoult hatte.
Intensive erste Halbzeit mit wenigen Chancen
Während Tuchel im Vergleich zum Viertelfinale drei Änderungen vornahm – beide Außenverteidiger und Morgan Rogers als Rechtsaußen – tauschte sein Kollege Lionel Scaloni nur einmal. Ausgerechnet Messis Bodyguard Rodrigo De Paul musste weichen, Giuliano Simeone bekam seinen Platz. Simeones Vater Diego hatte im Achtelfinale der WM 1998 Beckham zu einer Tätlichkeit provoziert. 28 Jahre später war es ein zunächst chancenarmes, aber bemerkenswert intensives Spiel. Hohe Laufbereitschaft und enorme Aggressivität auf beiden Seiten sorgten für viele Unterbrechungen. Nach 20 Minuten musste Argentiniens Torwart Emiliano Martinez den ersten Ball halten, der Abschluss von Reece James war jedoch kein Problem. Deutlich mehr strecken musste sich Martinez beim Freistoß von James (36.). Auf der anderen Seite zog Fernandez aus gut 20 Metern ab, der Ball rauschte über das Tor. Die Stars waren zunächst kein Faktor. Englands Kapitän Harry Kane wurde durch seinen 121. Einsatz zum Feldspieler mit den meisten Länderspielen; zu Rekordhalter Peter Shilton fehlen dem Bayern-Stürmer nur noch vier Spiele.
Gordon bringt England in Führung
Dann nahm das Spiel endlich auch in Sachen Torchancen Fahrt auf. Julian Alvarez (47.) scheiterte zunächst an England-Keeper Jordan Pickford, beim zweiten Versuch drosch der Stürmer den Ball ans Außennetz. Kurz darauf hatte England nach einer Ballbehauptung von Declan Rice Platz. Rogers flankte weit auf den langen Pfosten, dort stahl sich Gordon im Rücken von Nahuel Molina weg und traf zur Führung. Argentinien rappelte sich schnell auf. Nur zwei Minuten später rettete Djed Spence mit einer riskanten Grätsche im eigenen Strafraum gegen Simeone.
Argentinien drängt auf den Ausgleich
England stellte sich hinten rein, das Spiel sah teilweise aus wie eine Handball-Begegnung. Argentinien versuchte es über Flanken. Eine davon fand den Kopf des eingewechselten Nicolas Gonzalez (69.), Pickford rettete jedoch auf der Linie. Tuchel stärkte nun die Defensive und brachte Ezri Konsa für Gordon. Doch es blieb gefährlich: Alexis Mac Allister (76.) traf per Kopf nur den Pfosten. Fernandez zielte auf Vorlage von Messi aus 18 Metern genauer und erzielte den Ausgleich. Doch damit nicht genug: Messi nahm erneut Maß, diesmal auf Martínez, der den Ball ins englische Tor köpfte und Argentinien ins Finale brachte.



