Nachruf auf Brasilien-Star Brito: Unverzichtbar im Schatten von Pelé
Brasiliens Fußball trauert um Brito, den Verteidiger der legendären Weltmeister-Elf von 1970. Er starb am Donnerstag im Alter von 86 Jahren – ausgerechnet am Tag des Eröffnungsspiels der Fußball-WM 2026 im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt, jenem Ort, an dem er 1970 seine größte Stunde erlebte.
Ein Kreis schließt sich im Aztekenstadion
Man muss nicht übertrieben pathetisch sein, um zu sagen, dass sich ein Kreis geschlossen hat. Der brasilianische Verband würdigte ihn mit den Worten: „Brito hat uns als einer der größten Verteidiger in der Geschichte des brasilianischen Fußballs verlassen. Sein Beitrag zum WM-Sieg 1970 wird uns allen unvergessen bleiben.“
Die perfekte Sturmreihe und ihre Stütze
Die brasilianische Elf von 1970, angeführt von Pelé, Carlos Alberto, Tostao, Gérson, Jairzinho, Rivelino und Paolo César, gilt als vielleicht beste Nationalmannschaft der Fußballgeschichte. Doch hinter der glanzvollen Offensive standen Spieler wie Brito, die Athletik, Tempo, Spielübersicht, Eleganz und Robustheit in vollendeter Weise vereinten. Brito, mit bürgerlichem Namen Hércules de Brito Ruas, trug die Rückennummer zwei und stand in allen sechs Turnierpartien in der Startelf.
Der Weg zum Titel
Der Weg der Seleção zu Pelés drittem WM-Titel war nicht einfach. Nach einem leichten 4:1 gegen die Tschechoslowakei folgte ein knappes 1:0 gegen Titelverteidiger England, dessen Torwart Gordon Banks Pelé zur Verzweiflung brachte. Das 3:2 gegen Rumänien war ebenfalls kein Ruhmesblatt. Erst im Viertelfinale gegen Peru (4:2) kam das Team ins Rollen. Im Halbfinale gegen Uruguay, das für seine überharte Spielweise bekannt war, erkämpften sich die Brasilianer einen 3:1-Sieg nach Rückstand. Der Druck lastete schwer auf dem Team, 20 Jahre nach der nationalen Schande von 1950, als Uruguay in Rio den sicher geglaubten Titel entrissen hatte. Erst im Finale lösten sich alle Fesseln, und Brasilien besiegte die ausgelaugten Italiener mit 4:1.
Karriere und Vermächtnis
Zwischen 1964 und 1972 trug Brito 45 Mal das Trikot der Seleção. Er war auch 1966 dabei, als Brasilien in England früh ausschied. Seine Vereinskarriere verbrachte er größtenteils in Brasilien, mit Stationen bei Vasco da Gama (1960–1969), Botafogo, Corinthians, Flamengo und Cruzeiro Belo Horizonte. Ein Jahr spielte er in Venezuela, zum Karriereende in Kanada. Viermal gewann er die Meisterschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro. 1979 zog er sich als Spieler zurück und arbeitete als Trainer. Seinen Platz in der Ewigkeit hatte er da schon längst sicher.



