Die DFB-Spitze um Präsident Bernd Neuendorf und Liga-Boss Hans-Joachim Watzke ist in die USA gereist, um im Bundestrainer-Poker um Jürgen Klopp in die heiße Phase zu starten. Während in New York Stars wie Messi, Haaland und Kane um die WM-Krone kämpfen, geht es für den deutschen Fußball um die wichtigste Personalie der letzten Jahre. Alle Beteiligten betonen das gemeinsame Ziel: Klopp soll die Nationalmannschaft wieder auf Kurs bringen und die Fußball-Nation glücklich machen. Doch die Verhandlungen haben mehrere Knackpunkte.
Finanzielle Hürden und Patriotismus-Rabatt
Natürlich geht es um Geld. Die DFB-Reserven sind trotz des ab 2027 gültigen Nike-Deals nicht unerschöpflich. Klopp wird seinen Preis haben, doch es geht um mehr als ein Millionen-Grundgehalt. Watzke sprach im ZDF von einem „leichten Patriotismus-Abschlag“, den er von Klopp erwarte. Dies sei plakative Verhandlungsrhetorik, so Watzke. Zudem muss ein Geflecht an Sponsorverträgen entwirrt werden. Klopps Adidas-Bande dürften sich nach dpa-Informationen bald auflösen.
Sportliche Machtbefugnisse und Konzept
Der DFB muss ausloten, welche konkreten sportlichen Pläne Klopp hat: Wen bringt er mit? Welche Befugnisse bekommt er? Welche Einschnitte bedeuten diese für den Machtapparat am Campus in Frankfurt oder in den regionalen Strukturen? Neuendorf muss den Deal an der Basis vertreten können, ohne den Eindruck zu erwecken, sich einem Alphatier wie Klopp zu unterwerfen. Nach drei verkorksten WM-Turnieren geht es um schnelle Erfolge – etwa im Herbst in der Nations League gegen Erzrivale Holland. Doch die Einsicht ist vorhanden, dass grundlegende Dinge angegangen werden müssen. Klopp, der bei Red Bull als globaler Trainer-Entlasser auffiel, ist dem DFB noch einen Konzept-Entwurf schuldig.
Klopps Forderungen: Garantien und langfristige Perspektive
Klopp ist kein Naivling. Das Amt des Bundestrainers, geprägt von großen Namen wie Sepp Herberger und Franz Beckenbauer, hat einen natürlichen Reiz. Doch er kennt das Geschäft: Er braucht Garantien, welche Macht ihm zugestanden wird, wie viele Gefolgsleute er platzieren kann und welche langfristigen Möglichkeiten es gibt. Als er 2015 den FC Liverpool übernahm, brauchte er vier Jahre, um den Club titeltauglich zu machen. Vier Jahre – das wäre 2030, das Jahr der nächsten WM. Er wird sich wohl nicht auf ein kurzes Engagement einlassen, anders als Julian Nagelsmann, der nur für ein EM-Projekt anheuerte. „Natürlich geht es um Struktur. Aber um etwas zu verändern, muss man zuallererst wissen, was wirklich passiert“, sagte Klopp bei seinem zweiten Auftritt als MagentaTV-Experte mit Johannes B. Kerner in Amerika. Ihm gefiel nicht, dass schon so viel öffentlich geredet wurde. Klopp gibt es nur, wenn er die Abläufe bestimmt – rigos.
Red Bull als möglicher Störfaktor
Oliver Mintzlaff, Konzern-Geschäftsführer von Red Bull, genießt die Rolle des entscheidenden Akteurs. Der DFB und der deutsche Fußball wollen etwas von Red Bull. Mintzlaff wurde jüngst beim Formel-1-Rennen in Silverstone gut gelaunt gesehen, wo es primär um Motorsport-Geschäfte ging. Doch die Klopp-Gespräche laufen längst; auch Neuendorf hat schon angeklopft. Klopp steht bei Red Bull bis 2029 als Head of Global Soccer unter Vertrag – ein Faustpfand. Red Bull wird keinen Cent verschenken, aber es geht nicht primär um Geld. Wichtiger wäre Anerkennung durch das Fußball-Establishment, das dem Konstrukt oft kritisch begegnet. Wenn ausgerechnet Watzke als Präsident von Borussia Dortmund ein Bittsteller sein muss, kann das in Leipzig und am Firmensitz in Fuschl am See glücklich machen. Es wäre eine harte Währung.
Was könnte für Leipzig abfallen?
Wird Klopp mit Red-Bull-Kappe als Bundestrainer am Spielfeldrand stehen? So weit wird es wohl nicht kommen. Aber vielleicht gibt es ein Extra-Länderspiel in der Red-Bull-Arena in Leipzig oder mehr Einfluss in DFB- oder Bundesliga-Gremien. Hart verhandeln wird Mintzlaff ganz gewiss.



