Ein Jahr nach dem historischen Sieg: Baltromei als Glücksfee
Es war ein Ritt in die Geschichtsbücher. Vor einem Jahr gewann Nina Baltromei (27) auf dem Hengst Hochkönig als erste Frau im Sattel das Deutsche Galopp-Derby in Hamburg-Horn. Doch bei der 157. Auflage am 5. Juli wird sie nur zuschauen. Grund: Bei einem schweren Trainingssturz vor vier Wochen in Mülheim/Ruhr hat sich Baltromei einen Brustwirbel gebrochen! Zunächst waren die Sorgen groß – doch schon drei Tage später konnte die Reiterin die Klinik wieder verlassen.
Trotz Verletzung: Einfluss auf das Rennen
Trotz ihrer Verletzung wird Baltromei auch dieses Jahr Einfluss auf den Ausgang des Rennens um das legendäre Blaue Band und 650.000 Euro Rennpreise haben. Als Glücksfee! Der Hamburger Renn-Club (HRC) bat sie, am Dienstag die Auslosung der Startboxen zu übernehmen. Maximal 20 Vollblut-Pferde werden zugelassen. Aktuell stehen noch 35 Hengste auf der Liste.
Favoriten und Überraschungskandidaten
Die Favoriten sind Gostam von Pharmamanager Stefan Oschmann sowie Englishman (Gestüt Ittlingen), der gerade in Köln die letzte große Vorprüfung, das Union-Rennen, gewann. Für die größte Überraschung der letzten Jahre könnte Alpenblick sorgen. Denn das Pferd ist bisher noch kein Rennen gelaufen. Einen Debütanten gab es seit 1869 beim Derby noch nie! Besitzer Andreas Maspohl, ein Steuerberater aus Rosenheim, will daher nun Geschichte schreiben. Verrückt? Ja! Aber der HRC-Vorsitzende Volker Linde betont: „Trainer Andreas Helfenbein ist kein Anfänger und kein Spinner.“
Premiere: Kostenlose Wildcard für den Derby-Sieger
Und es gibt noch eine zweite Premiere: Denn der HRC hat zum ersten Mal eine kostenlose Wildcard für das Derby vergeben! Sie bekommt der Engländer Bay of Brilliance. Der Hengst war im Epsom Derby auf der Insel Vierter und Trainer Ralph Beckett rechnet sich in Horn noch bessere Chancen aus. Normalerweise würde eine Nachnennung 65.000 Euro kosten. Doch um das Renommee zu steigern, hat der HRC für platzierte Pferde aus einer Reihe wichtiger Rennen im Ausland die Hintertür geöffnet.
Kaisereingang wird zum Haupteingang
Für alle Besucher der Rennbahn wird nach mehr als 20 Jahren dagegen die Vordertür weit aufgesperrt: der Kaisereingang in der historischen Tribüne! Einst wurde er geschaffen, damit Kaiser Wilhelm II. das Gelände standesgemäß betreten konnte. Die letzten Jahrzehnte war der Eingang mit einem schmucklosen Rollladen verrammelt. Nun wird er zum Haupteingang und jeder Besucher kann sich ein wenig wie ein Kaiser fühlen! „Wir finden das charmant“, sagt die zweite Vorsitzende Catharina Wind. „Und wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Erbe fortzuführen.“
Wettumsatz: Ziel von drei Millionen Euro
Auch im Hinblick auf den Wettumsatz hofft Schatzmeister Johann Riekers auf eine Fortführung. Vor einem Jahr kamen 2,944 Mio. Euro zusammen – allerdings an fünf Renntagen. Dieses Jahr wurde das Meeting auf vier Renntage zusammengestrichen. „Trotzdem wollen wir die 3-Millionen-Euro-Marke knacken“, betont Riekers.
Los geht’s am Sonntag (10.15 Uhr) mit einem Familienrenntag. Höhepunkt: Der Sparkasse Holstein-Cup (30.000 Euro) über 2200 Meter für Stuten.



