DFB-Abstimmung: Altes Regionalliga-System klar abgewählt
DFB-Abstimmung: Regionalliga-System abgewählt

Die deutschen Fußball-Vereine haben mit deutlicher Mehrheit für eine Reform der Regionalliga-Struktur gestimmt. Insgesamt votierten 74,2 Prozent der Klubs für eine viergleisige statt der bisher fünfgliedrigen Regionalliga und den direkten Aufstieg aller Meister. Das sogenannte Kompassmodell erhielt mit 50,9 Prozent die absolute Mehrheit. Tommy Haeder (35), Sprecher des Klub-Bündnisses „Aufstiegsreform“, wertet das Ergebnis als klares Votum gegen das alte System.

Haeder: „Altes System hat keine Berechtigung mehr“

„Das alte Regionalliga-System ist krachend abgewählt und hat keine Berechtigung mehr zum Fortbestand“, sagte Haeder im BILD-Interview. „Nur 4,4 Prozent aller Vereine in Deutschland wollen bei der bisherigen Aufstiegsregel bleiben. Das ist ein Witz. Mit gleichzeitig 50,9 Prozent Zustimmung fürs Kompassmodell bundesweit haben wir ab sofort die absolute Mehrheit hinter uns. Im Wissen dieses Ergebnisses werden wir jetzt für die konkrete Umsetzung eintreten.“

Kritik an manipulativen Umständen

Auf die Frage, ob er mit dem Resultat zufrieden sei, betonte Haeder die schwierigen Rahmenbedingungen: „Man muss sehen, unter welch manipulativen Umständen wir dieses Resultat errungen haben. Die Verbände haben uns mit dubiosen und hinterlistigen Veränderungen an einem klareren Erfolg behindert. Durch das Zusammenstreichen der Startplätze von 80 auf 72 und damit 18er- statt 20er-Staffeln hat man das Kompassmodell bewusst beschädigt. Aber wir haben in allen Regionen gekämpft wie Löwen.“

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Einheit trotz Spaltungsversuchen

Haeder lobte den Zusammenhalt des Bündnisses: „Die Verbände haben unser Vereins-Bündnis mit all diesen unredlichen Mitteln probiert zu spalten, aber wir haben uns durchgesetzt und sind zusammengeblieben. Ich bin sehr stolz auf diese Gemeinschaft. Was zum Beispiel Marcus Uhlig mit Oberhausen im Westen geschaffen hat, wie Florian Egbers aus Meppen im Norden alles reingeworfen hat, das ist der pure Wahnsinn. Und ich muss die Bayern loben.“

Bayern: Kein Sieg, aber starkes Ergebnis

Obwohl die Reform in Bayern keine Mehrheit fand, zeigte sich Haeder zufrieden: „Trotzdem war es mit über 45 Prozent ein starker Wert fürs Kompassmodell, wenn man sieht, wie umtriebig uns Dr. Christoph Kern als Verbandspräsident Knüppel zwischen die Beine geworfen hat. Ohne diese hätten wir auch dort mutmaßlich die Mehrheit geholt.“

Kritik an bayerischem Sonderweg

52 Prozent der Klubs in Bayern plädierten für ein völlig neues Modell. Haeder kommentierte: „Ganz ehrlich, das war doch wieder ein billiger Trick. Wir haben sechs Monate eine DFB-Arbeitsgruppe gehabt, dann bieten die Regionalverbandschefs diese Wahloption an. Genau so etwas meine ich mit Widerständen, die wir großteils überwunden haben.“ Er dankte den bayerischen Fans für ihre Unterstützung und zeigte sich enttäuscht über den Südwesten: „Eher bin ich etwas enttäuscht, dass der Südwesten nicht mehr Solidarität gezeigt hat. Dennoch haben uns auch dort die zwei wichtigen Stimmen zur Mehrheit bundesweit verholfen.“

Boykott von Ostklubs einkalkuliert

Zum Boykott mancher Ostklubs wie Hansa Rostock oder Dynamo Dresden sagte Haeder: „Nein, das war abgesprochen und haben wir bewusst riskiert. Wir mussten den Verbänden am Nachmittag deutlich machen, vor den jeweiligen Abstimmungen zu den ursprünglich verabredeten vier 20er-Staffeln zurückzukehren. Dies ist u.a. dadurch gelungen.“

Nächste Schritte: Entscheidungsgremien anrufen

Haeder kündigte an, das Kompassmodell zeitnah in ein Entscheidungsgremium zu bringen: „Wir haben drei Regionen plus die DFL hinter uns. Dementsprechend sind das vier von sechs stimmberechtigten Parteien. Wenn der DFB bei diesen Verhältnissen nicht handelt, weiß ich auch nicht mehr.“ Auf den Einwand, die Regionalliga-Träger sähen den Prozess mangels Einstimmigkeit als beendet an, entgegnete Haeder: „Erstens wurde die Arbeitsgruppe durch die Präsidentenkonferenz im DFB eingesetzt und nicht durch die Regionalliga-Träger. Dadurch dürfen sie das aus meiner Sicht gar nicht. Zweitens steht jedem Verband und der DFL das Antragsrecht für die Entscheidungsorgane ohne Absprachen untereinander zu. Die Regionalverbandspräsidenten sollten sich langsam mal an die Regeln halten und die Interessen der Vereine in den Vordergrund rücken.“

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Keine Klage, aber Entschlossenheit

Auf die Frage nach einer möglichen Klage antwortete Haeder: „Das halte ich aktuell für nicht notwendig. Die entscheidende Botschaft ist: Wir sind nah an der Mehrheit und wollen etwas Gutes für den deutschen Fußball, auch für die Talentförderung durch bessere Regionalligen. Wir sehen die Ziellinie und werden mit Fanszenen und Klubs in tiefster Geschlossenheit und mit allen fairen Mitteln bis zur Entscheidung durchziehen. Es darf nun keine Verzögerungstaktik der Verbände mehr geben.“