Nach dem erzwungenen 2:1 (0:1) gegen die Elfenbeinküste und der unverhofften Hilfe von Curaçao gegen Ecuador steht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Gruppensieger fest. Für Bundestrainer Julian Nagelsmann ändert das viele WM-Planungen. Der Familientag im Teamhotel The Graylyn Estate in Winston-Salem bleibt jedoch ein Erfolgsritual. „Wir halten daran fest“, sagte Nagelsmann nach dem Spiel in Toronto. „Es gibt den Jungs Kraft. Es gibt uns allen Kraft, wenn wir unsere Familien sehen.“ Der Montag ist daher Familientag in North Carolina.
Nagelsmanns neue Freiheiten
Der Gruppensieg nimmt den Druck von Nagelsmann. Er muss sich keine Gedanken mehr über Szenarien des frühen Scheiterns machen. Auch Spekulationen über ein Taktieren, welcher Gruppenplatz den leichtesten WM-Weg bringen könnte, sind hinfällig. Deutschland ist auf Platz eins. Sollte Frankreich in Gruppe I ebenfalls Gruppensieger werden, droht im Achtelfinale der Clash mit Kylian Mbappé und Michael Olise. „Die anderen Gruppen können wir nicht beeinflussen. Es kommen eh gute Mannschaften auf uns zu, mal früher, mal später“, sagte Nagelsmann.
Undav als Held der Stunde
Doppeltorschütze Deniz Undav avancierte zum Helden. „Wir haben großen Charakter gezeigt. Wir wollen das Bestmögliche erreichen – und das ist der Titel. Dafür geben wir alles“, betonte Undav. Die Parallelen zur Heim-WM 2006 sind frappierend: Erstmals seit 20 Jahren gewinnt die DFB-Elf die ersten beiden WM-Gruppenspiele. Wie damals durch Oliver Neuvilles spätes 1:0 gegen Polen brachte ein Joker-Tor das Glück. Und wieder wartet zum bedeutungslosen Vorrunden-Abschluss Ecuador. Erstmals seit dem Triumph 2014 in Brasilien spielt die DFB-Auswahl wieder ein K.o.-Spiel bei einer WM.
Belastungssteuerung wird zum Top-Thema
Für Nagelsmann wird nun die Belastungssteuerung zentral. Wie geht er mit dem Freilos-Spiel gegen Ecuador um? Wie stark verändert er die Startelf? Wer braucht eine Pause? Rutscht Wunderjoker Undav in die Startelf? Noch in Toronto ließ Nagelsmann alles offen. Er wolle mit Undav sprechen. „Wir nehmen die Spieler mit in diesen Prozess“, sagte der 38-Jährige. Jetzt kann er mehr rotieren und für Ruhepausen sorgen, denn zwischen Ecuador und dem ersten K.o.-Spiel liegen nur vier Tage Pause. Sportdirektor Rudi Völler hatte bereits angemerkt, dass Kai Havertz nach vielen Verletzungen nicht jedes WM-Spiel bestreiten werde.
Sorgen um Schlotterbeck
Für Jamal Musiala können dosierte Einsätze sinnvoll sein. Die Diagnose für Abwehrspieler Nico Schlotterbeck steht noch aus; er zog sich wohl eine Verletzung des Innenbandes im linken Knöchel zu. Antonio Rüdiger könnte als Ersatz-Innenverteidiger wieder wichtig werden. Nagelsmann betonte, dass er seinen gesamten Kader im Blick hat: „Für mich erschließt sich nie der Sinn, wenn ich 26 Spieler dabei habe, warum ich die immer nur auf der Bank versauern lassen soll, wenn doch alle gut sind und auch spielen wollen.“
Erster K.o.-Gegner gesucht
Alle Maßnahmen müssen in der Zwischenrunde am 29. Juni in Foxborough bei Boston greifen. Dort trifft Deutschland auf einen der acht besten Gruppendritten – mögliche Gegner kommen aus den Gruppen A, B, C, D oder F, etwa Co-Gastgeber Kanada, Schottland, Paraguay oder Schweden. In Foxborough hatte Nagelsmann vor knapp drei Jahren auf der US-Reise seine ersten Trainingseinheiten als Bundestrainer absolviert. Damals waren Thomas Müller und Mats Hummels dabei, die nun als TV-Experten den Sieg gegen die Elfenbeinküste feierten.



