DFB-Elf vor K.o.-Duell gegen Paraguay: Nagelsmann unter Druck
DFB-Elf vor Paraguay: Nagelsmann unter Druck

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht vor ihrem ersten K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft seit dem Titelgewinn 2014 in Rio de Janeiro. Am Montag (22.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) trifft die DFB-Elf in Foxborough auf Paraguay. Die Stimmung vor dem Duell ist angespannt, nachdem die Mannschaft zum Gruppenabschluss eine enttäuschende 1:2-Niederlage gegen Ecuador hinnehmen musste.

Gerangel im Mittelkreis: Zeichen der Entschlossenheit

Beim Abschlusstraining im Spry Stadium lieferten sich Kapitän Joshua Kimmich und seine Kollegen ein wildes Gerangel im Mittelkreis. Mit viel Körperkontakt, Schubsen und Lachen demonstrierten sie ihre körperliche Bereitschaft. Auch Nathaniel Brown, der zuletzt angeschlagen fehlte, war dabei und scheint startklar. Die Übung sollte signalisieren: Wir sind bereit für Paraguay, wir halten dagegen.

Völler zwischen Glaube und Hoffnung

DFB-Sportdirektor Rudi Völler zeigte sich vor dem Spiel ungewöhnlich defensiv. Auf die Frage, ob man sich nach der Ecuador-Niederlage Sorgen machen müsse, antwortete er: „Ich glaube nicht, oder ich hoffe nicht.“ Statt Optimismus oder Siegesgewissheit prägten die Begriffe „Glaube“ und „Hoffnung“ seine Ausführungen. Dabei sollte Völler eigentlich als Mutmacher und Anwalt von Bundestrainer Julian Nagelsmann auftreten. Ein Sieg gegen den Weltranglisten-37. Paraguay und der WM-Zug würde wieder an Tempo aufnehmen – diese Botschaft blieb eher vage.

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Rettig spricht von „Messer am Hals“

Deutlich drastischer äußerte sich DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig im Interview bei MagentaTV. „Wir wissen, dass wir nun das Messer am Hals haben in den K.o.-Spielen“, sagte der 63-Jährige. Diese öffentliche Dramatik ist nicht im Interesse Nagelsmanns, für den in seinem 37. Länderspiel als Bundestrainer sehr viel auf dem Spiel steht. Nach Joachim Löw 2018 und Hansi Flick 2022 dürfte ein Bundestrainer nach einer krassen WM-Enttäuschung wohl kein drittes Mal bleiben.

Foxborough als Startpunkt, nicht als Endpunkt

Für Nagelsmann könnte sich zur Unzeit ein Kreis schließen. In Foxborough hatte er 2023 die Nationalmannschaft auf seine ersten Länderspiele als Bundestrainer vorbereitet. Wie lange das her ist, zeigt, dass die heutigen TV-Experten Thomas Müller und Mats Hummels damals noch zu seinem Kader zählten. Jetzt geht es darum, dass Foxborough nicht zum Endpunkt wird. Völler versicherte, dass die fehlenden Prozentpunkte gegen Ecuador jetzt wiederkommen würden. „Es wird jetzt natürlich ganz anders sein. Es geht um ein K.o.-Spiel. Da geht es um alles, um eine Runde weiterzukommen oder nach Hause zu fahren. Das wissen die Spieler“, sagte er.

Völlers Ansage an Wirtz, Musiala und Havertz: „Liefern“

Ohne Einschränkung nahm Völler die Offensivspieler in die Pflicht. Kai Havertz und insbesondere Jamal Musiala und Florian Wirtz, die „Zauberer in Kurzarbeit“, müssten nun „zünden“. „Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Sie wissen auch, dass noch Luft nach oben ist“, forderte der 66-Jährige. „Jetzt geht die WM richtig los.“ Eine weitere Völler-Forderung: weniger Ballverluste im Mittelfeld. Diese Schwachstelle hätten die Gegner erkannt, und Paraguay werde sich genau darauf ausrichten.

Personelle Rückkehr und taktische Fragen

Personell sorgt die Rückkehr von Linksverteidiger Brown nach Adduktorenproblemen für Erleichterung. Die Frage, ob Kimmich von rechts hinten in die Zentrale vorgezogen wird, wollte Völler nicht thematisieren. Die Dramaturgie ist speziell: Ein einziger missratener Nachmittag gegen Ecuador hat gereicht, um die Grundstimmung zu ändern. Zuvor elf Siege in Serie wiegen die Sorgen nicht auf. Die Nationalmannschaft bleibt unter Nagelsmann ein Konstrukt latenter Zweifel.

Kimmich: „Schlüsse ziehen“

Kapitän Joshua Kimmich gab den konstruktiven Ton vor: „Wir müssen die Dinge ansprechen, die wir nicht gut gemacht haben. Das wird der Trainer auch sicherlich tun. Und dann müssen wir unsere Schlüsse daraus ziehen.“ Für Kimmich steht viel auf dem Spiel: Endlich darf er bei einer WM in einem K.o.-Spiel ran. Bei einem Ausscheiden vor dem Achtelfinale wäre der Gruppensieg kein Plus-Argument mehr. Wieder wäre das Kimmich-Deutschland nicht dabei, wenn die letzten 16 Teams den WM-Titel ausspielen.

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Paraguay-Erinnerungen

Paraguay ist keine Fußball-Großmacht, kam nur als Gruppendritter hinter den USA und Australien weiter. Aber Paraguay weckt bei Völler Erinnerungen an die WM 2002, als die Südamerikaner der erste deutsche K.o.-Gegner waren. Im Jeju World Cup Stadium erzielte Oliver Neuville in der 88. Minute den erlösenden Siegtreffer. „Da könnte ich diesmal auch sehr gut mit leben“, sagte Völler. Prinzip Hoffnung, Hauptsache weiter.