Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet am heutigen Montag ihr erstes K.o.-Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Paraguay. Anstoß ist um 22.30 Uhr in Boston. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat eine überraschende Startelf nominiert: Statt Jamal Musiala beginnt Deniz Undav. Zudem kehrt Nathaniel Brown links in der Abwehr zurück und ersetzt David Raum.
Nagelsmann setzt auf 4-4-2 mit Undav
Nagelsmann stellt das System offenbar auf ein 4-4-2 um. Undav bildet neben Kai Havertz das Sturmduo. Musiala muss zunächst auf der Bank Platz nehmen. „Julian Nagelsmann verzichtet heute auf Jamal Musiala in der Startaufstellung“, berichtet unser Reporter Jörg Leopold. „Für Musiala rückt Deniz Undav in die Mannschaft und dürfte neben Kai Havertz im Sturm spielen.“
Die Entscheidung kommt nicht völlig überraschend: In den vergangenen Tagen hatte es Diskussionen um die Aufstellung gegeben, insbesondere um die Position von Joshua Kimmich und die Leistung von Aleksandar Pavlovic im defensiven Mittelfeld. Nagelsmann hatte bereits angekündigt, sich Gedanken zu machen.
Fans reagieren gespalten
In der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg verfolgen zahlreiche Fans das Spiel auf einer Public-Viewing-Leinwand. Inga Hofmann hat mit einigen Anhängern gesprochen. David, der bisher fast jedes Spiel zu Hause schaute, sagte: „Deutschland gucken wir natürlich wegen der Stimmung draußen.“ Gideon, seit 2006 Fanmeilengänger, zeigte sich enttäuscht über das Fehlen einer offiziellen Fanmeile in diesem Jahr. Zur Aufstellung mit Undav meinte David: „Für David ist das genau die richtige Entscheidung, irgendwie muss der Bundestrainer es doch schaffen, die zwei besten Stürmer in die Startelf zu kriegen und das sind nun mal Undav und Havertz.“
Paraguay – ein unangenehmer Gegner
Paraguay wird als zweikampfstark und defensiv solide eingeschätzt. „Paraguay dürfte unangenehm werden, vor allem, was die Zweikampfhärte angeht“, analysiert Jörg Leopold. „Vergleiche mit Ecuador bieten sich an, allerdings fehlt es den Paraguayern an der Starpower, die die südamerikanische Konkurrenz auffahren konnte. Defensiv ist das solide, aber offensiv wirkt das Team nicht sehr beeindruckend.“
Die deutsche Mannschaft ist als Gruppensieger klarer Favorit. Sie erzielte in der Vorrunde zehn Tore – mehr als jedes andere Team bei der WM. Dennoch herrscht nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel eine gewisse Verunsicherung. Der „Kicker“ betonte, dass ein Ausscheiden im Sechzehntelfinale genauso enttäuschend wäre wie das Scheitern in den Vorrunden der vergangenen WM-Turniere.
Außenminister Wadephul tippt auf Sieg
Außenminister Johann Wadephul (CDU) rechnet fest mit einem deutschen Sieg. „Ich tippe 3:1“, sagte er in Washington. In seiner Tippgemeinschaft im Auswärtigen Amt führe er zwar nicht, aber die meisten hätten auf einen deutschen Sieg getippt. „Wir drücken unseren Jungs heute Abend die Daumen“, so Wadephul. „Die Sportbegeisterung, die wir sehen, sollte uns alle anstecken. Fußball ist ein verbindender Sport über Generationen, Kontinente und Ländergrenzen hinweg.“
Brasilien mit Last-Minute-Sieg gegen Japan
Parallel zum deutschen Spiel hatte Brasilien im Sechzehntelfinale gegen Japan einen dramatischen 2:1-Sieg eingefahren. Gabriel Martinelli traf in der fünften Minute der Nachspielzeit zum Endstand. Zuvor hatte Kaishu Sano (1. FSV Mainz 05) Japan in Führung gebracht, Casemiro glich aus. Brasilien trifft nun am Sonntag auf den Sieger der Partie Norwegen gegen die Elfenbeinküste.
Lineker kritisiert DFB-Elf
Der frühere englische Nationalspieler Gary Lineker äußerte sich kritisch über die deutsche Mannschaft. Im Interview mit „L‘Equipe“ sagte er: „Ich glaube, dass dies eine der schwächsten deutschen Nationalmannschaften ist, die ich je gesehen habe.“ Er prophezeite, dass Frankreich im Achtelfinale problemlos gegen Deutschland gewinnen würde – sofern das DFB-Team heute Paraguay bezwingt.
Druck auf Nagelsmann wächst
Die Diskussionen um die Aufstellung und die Leistung der Mannschaft haben den Druck auf Julian Nagelsmann erhöht. Insbesondere die Frage, ob Joshua Kimmich auf der rechten Abwehrseite richtig aufgehoben ist oder ins Mittelfeld gehört, wird kontrovers diskutiert. Aleksandar Pavlovic konnte im defensiven Mittelfeld bisher nicht überzeugen. Charlotte Bruch hat das Dilemma in einer Analyse aufgeschlüsselt: „Pavlović enttäuscht bisher bei der WM. Das bringt Julian Nagelsmann vor dem Spiel gegen Paraguay in ein Dilemma und entfacht eine alte Diskussion um die Sechserposition neu.“
Die Partie gegen Paraguay wird zeigen, ob die deutsche Mannschaft ihre Favoritenrolle bestätigen kann oder ob die Kritiken weiter zunehmen.



