Berlins AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker hat bei einer Kundgebung vor dem Roten Rathaus ihren Anspruch bekräftigt, selbst ins Regierungsgebäude einziehen zu wollen. Dabei griff sie insbesondere die CDU und den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner scharf an. „Sie können es einfach nicht“, sagte Brinker mit Blick auf die Christdemokraten am Abend vor dem Regierungssitz.
AfD will stärkste Kraft werden
„Hier in Berlin wollen wir auch stärkste Kraft werden – und wir schaffen das“, ergänzte sie, begleitet von Trillerpfeifenlärm und lauten Protestrufen aus dem Kreis der Gegendemonstranten. „Wir werden die blaue Wende schaffen.“ Brinker kritisierte, die CDU habe vieles angekündigt, aber wenig davon umgesetzt – von der Wirtschaftspolitik bis zur Zahl der Einbürgerungen, die sie als viel zu hoch bezeichnete.
Innere Sicherheit und Justiz
Beim Thema innere Sicherheit wies die AfD-Politikerin auf Messerangriffe oder Gewalttaten mit Schusswaffen in Berlin hin und forderte Konsequenzen: „Schluss mit den langen Wartezeiten vor Gericht, Schluss mit der Kuscheljustiz.“ Sie sprach sich außerdem dafür aus, Kriminelle ohne deutsche Staatsbürgerschaft müssten das Land so schnell wie möglich verlassen.
Frontalangriff auf Wegner
Brinker ging Wegner frontal an: „Die politischen Fehler der vergangenen Jahre sind nicht mehr verzeihlich“, so die AfD-Landesvorsitzende. „Und Kai Wegner, der jetzt noch hinter uns im Rathaus sitzt, ist das Paradebeispiel für diesen Verfall – sowohl politisch als auch menschlich.“ Brinker hielt dem CDU-Politiker „Lügereigeschichten“ im Zusammenhang mit dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar vor. „Das ganze Land lacht über das Tennisgate“, sagte sie. Wegner war am ersten Tag des Blackouts nicht zu den Betroffenen gefahren, hatte mittags eine Stunde Tennis gespielt, das zunächst aber verschwiegen – und dafür viel Kritik einstecken müssen.
Unterstützung von der Bundesebene
AfD-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla schlug in die gleiche Kerbe: „Kristin Brinker ist die beste Frau, die wir hier in Berlin haben können“, sagte er. „Solche Leute brauchen wir hier im Rathaus und keine Stümper, die Tennis spielen gehen und uns die Hucke voll lügen.“ Wegner müsse in Rente gehen, forderte Chrupalla. „Wir werden dieses Rote Rathaus zum ersten Mal blau machen.“ Der AfD-Spitzenkandidat aus Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, kündigte an, die AfD werde 2026 Geschichte schreiben – auch in Berlin. „Wenn wir es schaffen, dass die AfD hier in dieser Stadt stärkste Kraft wird, dann sage ich, schaffen wir es überall.“
Kundgebung und Gegenproteste
Nach Angaben der Berliner Polizei zählte die AfD-Kundgebung unmittelbar vor dem Roten Rathaus rund 600 Teilnehmer, von denen viele Deutschlandfahnen schwenkten. Offiziell angemeldet war die Veranstaltung mit 1.000 Teilnehmern. An den Gegenprotesten beteiligten sich rund 200 Menschen, darunter Vertreter der Antifa und von Omas gegen Rechts. Die Veranstaltung sei weitgehend störungsfrei verlaufen, so die Polizei, die selbst mit rund 540 Einsatzkräften vor Ort war.
Umfragen und Ausblick
Bei der Abgeordnetenhauswahl 2023 erreichte die AfD 9,1 Prozent. In den jüngsten Umfragen kam sie auf Werte von 17 oder 18 Prozent und damit zum Teil auf Platz zwei hinter der führenden CDU mit 19 bis 22 Prozent und vor Grünen, Linken und SPD. Wahltag ist der 20. September.



