Max Eberl attackiert Infantino: WM-Verkaufspläne 'ekeln mich an'
Eberl attackiert Infantino: WM-Verkaufspläne 'ekeln mich an'

Klare Kante vom Sportvorstand des FC Bayern: Max Eberl hat die geplanten WM-Verkaufspläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino scharf verurteilt. Bei der Vorstellung von Neuzugang Nathaniel Brown im Trainingslager am Tegernsee legte der 52-Jährige einen bemerkenswerten Klartext-Auftritt hin. „Ehrlicherweise finde ich es beschämend! Ich schäme mich, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden“, wetterte Eberl. „Der Fußball gehört uns nicht, das ist ein Spiel. Die Fifa ist für mich da, um dieses Spiel zu begleiten, in Formen und Regeln zu bringen, Weltmeisterschaften auszurichten. Momentan habe ich das Gefühl, die Fifa ist dafür da, nur Profit zu machen. Es fühlt sich an, als ob nur Geld verdient werden will auf allen möglichen Kanälen.“

Eberl droht mit Europa-Boykott

Auslöser der Kritik ist ein Bericht der englischen Zeitung „The Times“, wonach Infantino plane, die Weltmeisterschaft zu privatisieren und Anteile an dem größten Turnier der Welt zu verkaufen. Eberl zeigte sich angewidert: „Ich fühle mich als Kind des Fußballs, ich darf das schon mehrere Jahre machen. Selbst mich, der im Fußball zu Hause ist, ekelt das an!“ Die Uefa hatte bereits mit einem möglichen WM-Boykott gedroht. Eberl sagte dem europäischen Verband nun die Unterstützung zu: „Ich finde es gut, wenn ich höre, dass die Uefa jetzt eine Krisensitzung einberufen hat, um zu überlegen, gewisse Dinge auch zu boykottieren. Ich bin kein Freund von Boykott, sondern eigentlich ein Freund von Dialog. Aber wenn es so weit kommt, wäre ich tatsächlich dafür, dass wir als Europa stark Stirn bieten und sagen: Ne, da machen wir nicht mit, das ist nicht unser Sport! Und wenn sie dann dagegen vorgehen würden. Ich weiß nicht, wer um Herrn Infantino herum ist, aber es fühlt sich echt beschissen an.“

Prominente Trainer schließen sich an

Auch beim Internationalen Trainer-Kongress in Mainz sorgten die angeblichen Fifa-Pläne für mächtig Gesprächsstoff. In einer prominent besetzten Runde mit BVB-Berater Matthias Sammer, Union-Frauentrainerin Marie-Louise Eta, Darmstadt-Trainer Florian Kohfeldt und Stuttgart-Erfolgscoach Sebastian Hoeneß machten die Trainer ihrem Ärger Luft. Sammer warnte: „Die Gefahr ist, wenn man glaubt, dass man das immer weiterdrehen muss. Wie als man bei der WM die Rote Karte von Balogun zurückgenommen hatte. Da greift man in die Integrität des Spiels ein. Wenn man da eingreift, oder das mit dem Geld und den Privatkonstellationen passieren sollte, dann wird das infrage gestellt, wofür der Fußball immer stand: nämlich eine einigermaßen emotionale Glaubwürdigkeit. Damit pfeffert man gegen die Grundmauern des Fußballs. Ich plädiere dafür, dass so ein Mann irgendwie versucht, alles mitzunehmen – aber bitte nicht in die eigenen Taschen oder so, dass der Fußball darunter leidet.“ Hoeneß ergänzte: „Das Schlimme ist, dass man darüber nicht mehr verwundert ist. Man wundert sich nicht, dass dieser Gedanke aufkommt.“ Kohfeldt bezeichnete die Pläne als „Vollkatastrophe“ und sagte: „Mit der Kommerzialisierung rückt das Allerwichtigste, das Spiel, immer weiter weg. Auf diesem Weg werden wir einige verlieren.“

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Fifa gründet Tochtergesellschaft

Am Dienstag verkündete die Fifa offiziell die Gründung der Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE), in der die kommerziellen Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft gebündelt werden. Basierend auf einer anfänglichen Eigenkapitalbewertung von 20 Milliarden Dollar soll FFE im Laufe dieses Jahres durch die Zusammenarbeit mit Investoren bis zu 4,2 Milliarden Dollar aufbringen. Laut „Times“-Bericht soll die Aufteilung der Firmenanteile wie folgt aussehen: Einen Mehrheitsanteil würde die Fifa behalten. Anfangs könnten private Investoren 20 bis 30 Prozent kaufen. Rund 20 Prozent sollen den 211 Mitgliedsverbänden der Fifa zuteilwerden. An der Spitze des Unternehmens würde nach Ablauf seiner letzten Amtszeit als Fifa-Boss Infantino stehen, der aller Voraussicht nach im kommenden Jahr bis 2031 wiedergewählt wird. Dieses Thema sorgt nicht nur beim FC Bayern für ordentlich Zündstoff, sondern im gesamten Fußball. Die Diskussion um die Kommerzialisierung des Sports verschärft sich zusehends.

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