England steht vor einer besonderen Herausforderung im WM-Achtelfinale: Das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt liegt über 2.200 Meter über dem Meeresspiegel – mehr als doppelt so hoch wie Englands höchster Berg Scafell Pike (978 Meter). Die „Three Lions“ bereiteten sich zunächst in West Palm Beach (Florida, vier Meter Höhe) vor und haben ihr Camp in Kansas City (280 Meter). Von dort geht es per Flieger nach Mexiko-Stadt – mit wenig Zeit zur Akklimatisierung.
Was bedeutet dünne Luft für den Körper?
„Dünne Luft heißt niedrigerer Luftdruck als auf Meereshöhe“, erklärt Internist und Pneumologe Dr. Matthias Krüll, Chef-Mediziner des Berlin-Marathons. Bei gleichem Sauerstoffgehalt (21 Prozent) sinkt der Sauerstoffpartialdruck – in 2.200 Metern Höhe um 25 Prozent. „Dadurch wird spontan deutlich weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen“, so Krüll zur Deutschen Presse-Agentur.
Anpassung des Körpers
Der Körper produziert mehr rote Blutkörperchen, um den Sauerstoffmangel auszugleichen. Laut der Webseite von Mexiko-Stadt braucht man etwa drei Monate in großer Höhe, um genügend rote Blutkörperchen zu bilden. Leistungssportler absolvieren Höhentrainingslager von zwei bis sechs Wochen. England bleiben nur ein bis zwei Tage.
Auswirkungen auf das Spiel
Englands deutscher Trainer Thomas Tuchel sagte nach dem 2:1-Sieg gegen die Demokratische Republik Kongo: „Zwischen den Spielen liegen drei Tage, und wir können uns nicht darauf einstellen. Es ist einfach ein Nachteil, mit dem wir zurechtkommen müssen.“ Sportmediziner Barney Wainwright von der Leeds Beckett University rät, das Spieltempo zu drosseln, um Erholungsphasen zu ermöglichen. Krüll prophezeit: „Sie werden früher 'aus der Puste kommen'. Harry Kane sollte nicht bis zur 70. Minute warten, sondern in der ersten Halbzeit seine Tore machen.“
Historische Erfahrungen im Aztekenstadion
Das letzte Länderspiel Englands im Aztekenstadion war die 1:2-Niederlage gegen Argentinien 1986 mit Maradonas „Hand Gottes“. Ex-Profi Nigel Reo-Coker, der 2015 dort spielte, sagte der BBC: „Das ist der physisch herausforderndste Ort, an dem ich je Fußball gespielt habe. Du kriegst keine Luft. Man muss genau überlegen, wann man sich alles gibt.“
Folgen für die Spieler
Mediziner Krüll erwartet, dass die Muskeln während des Spiels nicht sauerstoffneutral arbeiten, sondern schneller eine Sauerstoffschuld eingehen. „Es fallen vermehrt Abbauprodukte wie Milchsäure an.“ Das Spiel findet in der deutschen Nacht auf Montag um 02:00 Uhr MESZ statt, übertragen von Magenta TV.



