Nach dem Halbfinal-K.o. der Three Lions gegen Argentinien bei der WM 2026 kracht die Wut-Welle vor allem über Trainer Thomas Tuchel herein. Die englische Presse macht den deutschen Coach für das Scheitern verantwortlich, doch der bekommt prominente Unterstützung – allen voran von Superstar Harry Kane.
Bronze als kleiner Trost
Glücklich sah Thomas Tuchel nicht aus, als er nach dem spektakulärsten Spiel der WM die Bronzemedaille erhielt. Mit 6:4 hatten seine Engländer Frankreich niedergewalzt – doch für England kam der Sieg einen Tag zu früh. Die Three Lions wollten nicht nur um Platz drei spielen, sondern im Finale stehen. Doch Spanien und Argentinien sicherten sich die Hauptrollen. Die Mannschaft von Lionel Messi offenbarte im Halbfinale ihre dreckige Seite, boxte Tuchels Team von den WM-Wolken und riss die alte englische Wunde wieder auf.
Wut auf den Trainer
Der Schmerz löst einen immer wiederkehrenden Reflex aus: Wut auf den Trainer. Dabei war die Reise der Three Lions bis zum Halbfinale wundervoll gewesen. Die Fans liebten das Team, das Team liebte die Fans. Sie sangen „Wonderwall“ und holten die 90er zurück. England war die unbeschwerte Seite der WM – trotz der Last der ewigen Titellosigkeit seit 1966. Platz drei ist das beste WM-Ergebnis seit 60 Jahren, doch der Trost ging links rein und rechts raus. „Das war absolut brillant“, sagte Tuchel und versuchte, die Dinge einzuordnen.
Tuchels Einordnung
„Es ist die erste Medaille seit 60 Jahren, die beste WM auf fremden Boden. Ich hoffe, dass die Spieler darauf stolz sind. Vor 18 Monaten haben wir das größte Ziel ausgerufen, wir waren sehr, sehr ambitioniert“, sagte Tuchel. Der Schmerz werde vergehen, „aber die Narbe bleibt“. Tuchel lobte die Mannschaft, die „etwas ganz Besonderes geschaffen und das erneut gezeigt hat“. Er richtete ein „massives Kompliment für die Mentalität“ an sein Team. „Das war absolut brillant.“
Medien kritisieren Tuchel scharf
Diese Brillanz wurde von den englischen Medien bestens versteckt. In der positiven Lesart blieb das Gefühl, dass mit besseren Trainerentscheidungen und etwas Glück mehr möglich gewesen wäre. Die radikale Defensive nach der 1:0-Führung gegen Argentinien brach den Löwen das Genick. In der negativen Lesart war Tuchel allein schuld. Der „Guardian“ schrieb von „Versagen im WM-Halbfinale“ und warf Tuchel „Engstirnigkeit, Mangel an Ehrgeiz und Dreistigkeit“ vor.
Kane verteidigt Tuchel
Doch Tuchel ist nicht allein im Sturm der Entrüstung. Harry Kane formulierte eine große Verteidigungsrede: „Er ist ein fantastischer Trainer. Er hat nicht nur den Spielern, sondern auch dem ganzen Land das Vertrauen gegeben, dass dies unser Jahr sein würde.“ Tuchels Begeisterung, Emotionen und taktische Erfahrung bedeuteten nicht, dass „man jedes Mal alles richtig macht. Deshalb tut es noch mehr weh als in anderen Jahren, weil alle daran geglaubt haben, dass wir es bis ganz nach oben schaffen würden. Jeder muss das erst einmal verarbeiten. Er muss es selbst verarbeiten.“ Sie befänden sich noch in der Trauerphase, so Kane.
Prominente Kritiker und Unterstützer
Während die Bewältigung läuft, redet sich das Expertenwesen die Köpfe heiß. Gary Lineker fragte scherzhaft, ob Tuchel „so etwas wie ein deutscher Spion ist“. Joe Cole sagte, er habe sich „nie mit einem deutschen Trainer für England wohlgefühlt“. Das Mutterland des Fußballs müsse doch in der Lage sein, dass ein englischer Trainer England trainiert. Cole nannte es „verrückt, ihm die Vertragsverlängerung zu geben, wenn er noch nicht das geliefert hat, weshalb er geholt wurde“. Auch Wayne Rooney und Michael Owen droschen verbal mit drauf. Sogar US-Präsident Donald Trump kritisierte Tuchel: „Was weiß ich schon vom Coachen? Aber das war etwas ungewöhnlich. Ich denke, dass sie vielleicht einen Fehler gemacht haben, als sie Harry Kane zu einem Defensivspieler gemacht haben.“
Stimmen der Unterstützung
Aus dem Lager der Unterstützer sprach Ex-Nationalspieler Martin Keown am eindringlichsten: „Es wäre komplette Zeitverschwendung, wenn wir ihn nicht behalten würden. Ich denke, wir sollten ihn unterstützen.“ Fans hatten Tuchel vor dem Spiel um Platz drei ausgepfiffen – wie so viele seiner Vorgänger. Musik-Legende Robbie Williams gab nichts auf die Wut aus seiner Heimat: „Die englische Presse zerstört Thomas, aber das macht sie mit jedem, der dieses Amt hat. Es ist egal, ob das Thomas ist oder Gareth Southgate oder Eddie Howe.“ Williams, der nicht geboren war, als England zuletzt einen Triumph feierte, sagte: „Psychologisch haben wir ein Problem. Das müssen wir lösen – und zwar, bevor ich sterbe.“
Ausblick auf 2028
In zwei Jahren geht es weiter. 2028 ist England Mitausrichter der EM. „We still believe, we still believe. We still believe, we still believe.“



