Christian Dobrick hat als erster deutscher Profitrainer öffentlich gemacht, schwul zu sein. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht er über die überwältigende Resonanz, die ihn überrascht hat, und fordert mehr Unterstützung vom DFB für queere Sportler.
Überraschende Flut an Reaktionen
Dobrick, der im März sein Coming-out im Stern gab, sagt: „Dass es so groß wird, habe ich nicht erwartet. Ich dachte, es wird eine Nachricht und es wird darüber berichtet. Aber die Flut an Reaktionen hat mich überrascht. Ich bin schließlich kein Nationalspieler.“ Die Welle an Unterstützung, aber auch Hassnachrichten, habe ihn tief bewegt.
Der Moment der größten Nervosität
Besonders aufregend war für ihn der Moment, als er es seinen Spielern sagte: „Als ich es meinen Spielern sagte, war ich am nervösesten.“ Diese Offenheit im Mannschaftskreis sei der entscheidende Schritt gewesen, erklärt der Trainer, der zuvor lange Zeit ein Versteckspiel im Alltag führte.
Alltag mit Versteckspielen
Im Interview beschreibt Dobrick, wie er seine Sexualität lange Zeit verbarg – mit Ausreden, Vermeidungen und ständiger Vorsicht. Diese Doppelleben habe ihn psychisch belastet und ihn schließlich zu dem öffentlichen Schritt bewogen. Er wolle damit auch anderen queeren Sportlern Mut machen.
Kritik am DFB
Dobrick kritisiert den DFB: Der Verband schulde queeren Sportlern mehr Unterstützung. Es brauche klare Strukturen und Ansprechpartner, damit sich niemand mehr verstecken müsse. „Die Verbände müssen aktiver werden“, fordert er und verweist auf mangelnde Sensibilisierung im Profifußball.
Positive Resonanz und Vorbildfunktion
Die Reaktionen auf sein Coming-out waren überwiegend positiv. Sogar Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann lobte seinen Schritt. Dobrick hofft, dass sein Beispiel Schule macht: „Es braucht mehr Vorbilder, die sich zeigen.“ Er sieht sich selbst als Teil eines gesellschaftlichen Wandels, der im Fußball noch am Anfang steht.



