FIFA-Investorendeal: Europäische Funktionäre empört über Infantinos Plan
FIFA-Investorendeal: Europäische Funktionäre empört

Weniger als zwei Wochen nach dem WM-Finale hat FIFA-Präsident Gianni Infantino die Fußballwelt mit einem geplanten Milliardendeal verblüfft. Der Weltverband will private Investoren an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen beteiligen, das die kommerziellen Rechte an allen FIFA-Wettbewerben bündeln soll. Die Reaktionen aus Europa sind verheerend: Funktionäre bezeichnen die Pläne als „beschämend“ und „fatales Zeichen“. Bis zum 19. September sollen die 211 Mitgliedsverbände über das Vorhaben abstimmen – mit einfacher Mehrheit.

Der Plan: 20 Prozent gegen 20 Milliarden Dollar

Das Modell sieht vor, dass private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an der FIFA-Tochter FFE erwerben können. Der Gesamtwert des Unternehmens wurde zunächst auf 20 Milliarden Dollar festgelegt. Infantino selbst könnte über seine Amtszeit als Präsident hinaus als Geschäftsführer von FFE langfristig an der Macht bleiben. Als Argument führt Infantino an, dass die Verbände künftig viermal so viel Geld pro Jahr erhalten könnten – eine „einmalige Chance“ für die globale Fußballentwicklung. Doch die Kritiker sehen darin einen Ausverkauf des Sports.

Hans-Joachim Watzke: „Absoluter Angriff auf den Fußball“

Borussia Dortmunds Präsident und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke positionierte sich klar gegen die Pläne. „Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht“, sagte Watzke. Er teile die Haltung vieler im europäischen Fußball, die die FIFA-Pläne als „absoluten Angriff auf den Fußball“ sehen. Interessant ist die Aussage vor dem Hintergrund, dass Watzke vor drei Jahren noch ein großer Befürworter von Investoren im deutschen Fußball war. Damals argumentierte er: „Wir benötigen Geld, um als Liga wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Die Bundesliga scheiterte Anfang 2024 mit einem ähnlichen Investorenmodell vor allem am Widerstand der Fans. Diesmal könnten es die europäischen Fußballfunktionäre sein, die den Plan stoppen.

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Bernd Neuendorf: WM-Boykott als Option

DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich im ZDF ebenfalls kritisch: „Der Fußball muss eigenständig bleiben. Wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen. Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichtezumachen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig.“ Auf die Frage nach einem möglichen WM-Boykott der UEFA-Verbände antwortete Neuendorf, dies sei „durchaus eine Option“. Alle Funktionäre aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Asien störten sich vor allem an der mangelnden Kommunikation der FIFA – die Verbände wurden vorab nicht informiert. Neuendorfs Kritik fiel trotz deutscher WM-Ausrichtungsambitionen für 2038 oder 2042 überraschend deutlich aus.

Max Eberl: „Ich schäme mich“

Noch schärfer äußerte sich Bayerns Sportvorstand Max Eberl: „Ich schäme mich“ und „Mich ekelt das“ – so kommentierte er die FIFA-Pläne. Eberl zählt zu den lautstärksten Kritikern des Deals, der seiner Ansicht nach den Fußball endgültig zur Profitmaschine degradiert.

Aleksander Ceferin: UEFA sieht rote Linien überschritten

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, traditionell ein Gegenspieler Infantinos, ließ über seinen Verband eine Stellungnahme verbreiten: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften.“ Ceferin, dessen Amtszeit im Frühjahr 2025 endet, hat anders als Infantino nicht vor, erneut zu kandidieren. Die UEFA verhinderte bereits 2018 einen ähnlichen FIFA-Investorendeal und 2021 die Super League der europäischen Topclubs. Ohne die großen Nationalverbände kann die FIFA wenig ausrichten – Europas Widerstand ist die größte Gefahr für Infantinos Plan.

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Gianni Infantino: „Einmalige Chance“ für den Fußball

Infantino selbst wies die Kritik zurück. In einem Videostatement sagte er: „Dies ist eine einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen.“ Zu wenig vom wachsenden kommerziellen Wert komme in den Teilen des Spiels an, die ihn am dringendsten benötigten. Er bestreitet, dass die Unabhängigkeit des Weltverbandes durch das neue Konstrukt gefährdet sei. Die Abstimmung der 211 Verbände bis zum 19. September wird zeigen, ob Infantino sich durchsetzen kann oder ob der europäische Widerstand den Deal platzen lässt.