Seit Dienstag ist Marco Grüll (28) nicht mehr der einzige Österreicher, der sich bei Werder Bremen auf die neue Saison vorbereitet. Mit Marco Friedl, Romano Schmid und Neuzugang Alexander Schlager sind drei Landsleute nach ihrem WM-Urlaub zurück an der Weser. Während Österreichs Nummer eins erstmals mit den Kollegen trainierte, absolvierten Friedl und Schmid nur Teile des Trainings – Rücksicht nach dem anstrengenden Turnier. Das hätte auch Stürmer Grüll gern miterlebt, doch im Aufgebot von Teamchef Ralf Rangnick stand er nicht. Mit nur acht Länderspielen blieb ihm die WM-Teilnahme verwehrt.
Schwache Vorsaison und neue Konkurrenz
In der vergangenen Saison, die Werder Bremen auf dem enttäuschenden 15. Platz abschloss, konnte Grüll nur drei Treffer erzielen. Der als „Fleißbiene“ bekannte Stürmer sorgte damit für wenig Torgefahr. Nun kommt noch verschärfte Konkurrenz hinzu: Mit Cedric Itten (29) hat Werder einen weiteren Stürmer verpflichtet, der bei einer Zwei-Stürmer-Formation vor dem Dauerläufer Grüll stehen dürfte. Auch Salim Musah (20) hinterließ im Trainingslager einen vielversprechenden Eindruck, ähnlich wie zum Ende der Vorsaison. Und ein weiterer Nummer-eins-Angreifer soll noch kommen. Die Situation für Grüll wird eng.
Niemeyer glaubt an Grülls Qualitäten
Profifußball-Chef Peter Niemeyer zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Im Trainingslager ist er aufgrund von Erkrankungen anderer Spieler auf anderen Positionen zum Einsatz gekommen. Bald wird Marco wieder offensiver spielen können. Von links nach innen zu ziehen und mit rechts abzuschließen, das ist seine Waffe.“ Diese Stärke kommt am besten bei einer Formation mit offensiven Außen zum Tragen. Doch genau dort hat Werder mit Samuel Mbangula (22) und Justin Njinmah (25) zwei namhafte Kandidaten. Hinzu kommen die Trainingslager-Gewinner Chuki (22) und Paul Erevbenagie (18).
Statistiken und Ausblick
Grüll bringt es in der Bundesliga auf 63 Spiele und neun Tore – eine magere Ausbeute für einen Stürmer. Torgefahr bleibt bei ihm häufig auf der Strecke. Niemeyer erklärt: „Er spielt sehr mannschaftsdienlich, kam in der Vorsaison deshalb nicht immer in die torgefährlichen Räume.“ Das soll sich nun ändern. Damit seine dritte Saison an der Weser nicht zur Enttäuschung wird, muss Grüll im Training und in den Spielen überzeugen. Die Konkurrenz schläft nicht.



