Dem Fußball-Weltverband FIFA steht offenbar eine weitere grundlegende Veränderung bevor. Laut einem Bericht der „Times“ plant FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anteile an den kommenden Weltmeisterschaftsturnieren an private Investoren zu verkaufen. Dies würde eine radikale Kommerzialisierung des globalen Spitzensports bedeuten und könnte Infantino persönlich finanziell enorm begünstigen.
Der Plan sieht die Gründung einer separaten Firma vor, die zukünftig die WM-Endrunden der Männer und Frauen sowie die erstmals 2025 ausgetragene Klub-Weltmeisterschaft ausrichten und vermarkten soll. Als potenzielle Investoren werden unter anderem Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, sowie die US-Bank J.P. Morgan genannt. Die Idee sei bereits mit Vertretern der Trump-Regierung besprochen worden, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen.
Infantino winkt Gehaltssprung auf NFL-Niveau
Für die 211 FIFA-Mitgliedsverbände könnte der Deal äußerst lukrativ sein. Jeder Verband soll demnach einen Anteil erhalten, der einen Wert von rund 20 Millionen Dollar besitzt. Die Verbände können diesen Anteil entweder behalten oder an Investoren verkaufen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Gerade für kleinere, finanziell abhängige Verbände könnte dies ein starkes Argument sein, der Ausgliederung der WM-Turniere zuzustimmen.
Die FIFA selbst soll eine Mehrheitsbeteiligung an der neuen Gesellschaft behalten. Zwischen 20 und 30 Prozent der Anteile sind für Investoren vorgesehen. Weitere 20 Prozent würden zunächst an die Mitgliedsverbände gehen, wobei dieser Anteil durch spätere Verkäufe sinken könnte. Den Vorsitz der Firma soll FIFA-Chef Infantino übernehmen, der dann ein Gehalt auf dem Niveau eines NFL-Commissioners erhalten würde. Roger Goodell, Chef der US-Football-Liga, verdient rund 64 Millionen Dollar pro Jahr – für Infantino bedeutete dies eine Verzehnfachung seines aktuellen Gehalts.
„Atombombe“ für den Fußball – UEFA reagiert scharf
Ein namentlich nicht genannter Insider beschrieb den Plan gegenüber der „Times“ als eine „Atombombe“. Investoren sollen bereits davon sprechen, dass sich nun die Gelegenheit biete, „die FIFA zu kaufen“. Die UEFA reagierte mit ungewöhnlich deutlicher Kritik. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, erklärte der europäische Verband. „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsware – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert. Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs. Er steht der FIFA nicht zum Verkauf.“
Bereits bei der jüngsten WM in Kanada, Mexiko und den USA, die auf 48 Teilnehmer aufgestockt wurde, zeichnete sich eine zunehmende Kommerzialisierung ab. Erstmals gab es Werbeunterbrechungen während der Trinkpausen (Hydration Breaks) in der ersten und zweiten Halbzeit. Infantino hat zudem signalisiert, dass er eine weitere Aufstockung des Teilnehmerfelds auf 64 Mannschaften befürwortet. Die FIFA steigerte ihren Umsatz Berichten zufolge auf bis zu 15 Milliarden Dollar.
Sollte der Plan umgesetzt werden, wäre dies der wohl weitreichendste Eingriff in die Struktur des Weltfußballs seit Jahrzehnten. Kritiker befürchten, dass die WM endgültig zu einem reinen Geschäftsprodukt verkommt, bei dem sportliche und gesellschaftliche Werte hinter Renditeerwartungen zurücktreten.



