Nur ein Neuzugang: Adewumi kommt von Burnley
Nach wochenlangem Warten präsentierte Hertha BSC am Freitagnachmittag als letzter Klub in der ersten und zweiten Liga seinen ersten externen Neuzugang: Der Zweitligist leiht den Offensivspieler Oluwaseun Adewumi vom englischen Zweitligisten FC Burnley aus. Der österreichische U21-Nationalspieler soll eine der vielen Lücken im Kader füllen. Doch es wurde höchste Zeit, denn die Berliner haben fast die komplette Achse der Vorsaison verloren.
Zwölf Abgänge, über 20 Millionen Euro Einnahmen
Kapitän und Topscorer Fabian Reese wechselte nach Wolfsburg. Jungstar Kennet Eichhorn zog es zu Bayer Leverkusen. Tjark Ernst, für viele Experten der beste Keeper der zweiten Liga, und Kreativspieler Michael Cuisance gingen zu ambitionierten ausländischen Erstligisten – Ernst zu Feyenoord Rotterdam, Cuisance zum RC Lens. Insgesamt verließen zwölf Spieler den Klub. Medienberichten zufolge spülten die Abgänge mehr als 20 Millionen Euro in die Kasse. Dazu sollen Profis wie Linus Gechter und Marten Winkler einem Abgang nicht abgeneigt sein.
Trainer Leitl fordert Verstärkungen
„Es muss jetzt definitiv was passieren“, hatte Trainer Stefan Leitl schon Mitte Juli vor dem Trainingslager in Tirol gefordert. Doch dann passierte lange nichts. Sein Wunsch, bereits in Österreich einige neue Spieler einzuarbeiten, erfüllte sich nicht. Adewumi kam erst kurz vor Ende des Trainingslagers. Der finanzielle Handlungsspielraum des klammen Hauptstadtklubs ist trotz der üppigen Ablösen eingeschränkt. Hertha muss einen Transferüberschuss erwirtschaften und das Budget im vierten Jahr in Liga zwei deutlich verkleinern. Der Klub setzt offenbar auf Leihgeschäfte, die oft erst gegen Ende der Transferperiode Fahrt aufnehmen.
Bei den Fans ist die Sorge groß. In sozialen Medien kursiert ein fiktiver Aushang: „Ich suche Spieler für Hertha BSC für die kommende Zweitligasaison. Schnell melden!“ – ein Zeichen des Galgenhumors.
Transformation statt Aufstiegskampf
Geschäftsführer Peter Görlich hatte im April „die größte Transformation im Fußball“ angekündigt: Kader, Scouting und Trainingsarbeit stehen auf dem Prüfstand. „Wir Spieler machen uns da jetzt nicht so viele Gedanken“, sagte Außenverteidiger Julian Eitschberger im Trainingslager. „Wir haben da eh keine Kontrolle und können es nicht beeinflussen.“ Auch Leitl zeigte sich entspannt: „Ich muss ganz ehrlich sagen, mich nervt es gar nicht. Wir haben so einen geilen Teamspirit und die Jungs ziehen voll mit.“
Gesucht werden noch ein Mittelstürmer, ein Linksverteidiger und am besten auch ein Torwart. Ob das zeitnah klappt, ist fraglich. Im vergangenen Sommer hatte der Klub den Aufstieg offensiv als Ziel ausgegeben – es folgte eine enttäuschende Saison auf Platz sieben. Diesmal zählt Hertha nicht zu den klaren Aufstiegskandidaten. Teile der Anhängerschaft fürchten sogar den Abstieg.
Positive Ansätze und junge Talente
Doch es gibt auch positive Nachrichten: Anders als im letzten Sommer hatte Leitl wenig Verletzte in der Vorbereitung zu beklagen. Umworbene Profis wie Josip Brekalo und Eigengewächs Eitschberger verlängerten ihre Verträge. Die Abgänge bieten Chancen für andere Spieler, etwa Kevin Sessa, der sich in den Vorjahren schwertat, sowie Talente aus der Jugend-Akademie. Boris Mamuzah Lum, Soufian Gouram und andere wollen ihren Durchbruch feiern.
Leitl sieht Fortschritte bei der neuen Spielweise: offensiver, mit höherem Pressing und mehr Torgefahr. „Ich glaube, wir werden auch das eine oder andere Gegentor schlucken müssen mit der Art und Weise, aber grundsätzlich dieser offensive Gedanke gefällt uns sehr, sehr gut und so machen wir weiter“, sagte er in Tirol. Das könnte die Fans nach den zähen Auftritten der Vorsaison milder stimmen. Dennoch ist der Druck in der Hauptstadt vor dem Saisonstart groß.



