Hertha-Rekordspieler Holger Brück im Alter von 78 Jahren gestorben
Hertha-Rekordspieler Holger Brück mit 78 Jahren gestorben

Der frühere Fußballprofi Holger Brück ist tot. Der gebürtige Kasselaner, der als Libero für Hertha BSC Rekordspieler nach dem Zweiten Weltkrieg wurde, starb am Sonntag im Alter von 78 Jahren nach schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt. Das gab sein langjähriger Verein KSV Hessen Kassel bekannt.

Brück war eine feste Größe in Herthas erfolgreichster Dekade

Holger Brück bestritt 398 Pflichtspiele für Hertha BSC – mehr als jeder andere Spieler des Klubs nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Bundesliga kommt er auf 261 Einsätze, womit er hinter Pal Dardai (286) und Michael Sziedat (280) auf Rang drei liegt. Von März 1976 bis August 1979 absolvierte er sogar 114 Bundesligaspiele in Folge.

In sechs seiner acht Bundesligaspielzeiten stand Brück in allen 34 Saisonspielen auf dem Feld. Von 272 möglichen Begegnungen verpasste er nur elf. Dabei war der Defensivallrounder 250 Mal in der Startelf, 239 Mal spielte er durch.

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„Das Spektakuläre an ihm war, dass er eigentlich überhaupt nicht spektakulär war“

Sein Mitspieler Detlev Szymanek, der 1975 mit Hertha Vizemeister wurde, würdigte Brück: „Er war einer der bestimmenden und leuchtenden Spieler bei Hertha, obwohl er nie leuchtend gespielt hat. Das Spektakuläre an ihm war, dass er eigentlich überhaupt nicht spektakulär war. Er war effektiv, korrekt und mannschaftsdienlich.“

Karl-Heinz Granitza, damals Stürmer bei Hertha, lobte das außergewöhnliche Spielverständnis seines Teamkollegen: „Er konnte das Spiel unglaublich gut lesen. Und er hat kaum Fehler gemacht – wie Philipp Lahm.“

Ein besonderes Spiel: 1:1 gegen den 1. FC Köln 1978

Ein Höhepunkt in Brücks Karriere war das Spitzenspiel der Bundesliga am 4. März 1978 gegen den 1. FC Köln. Vor fast 80.000 Zuschauern im Olympiastadion trat Brück zum Elfmeter an und glich Sekunden vor der Pause zum 1:1 aus. Der „Kicker“ bewertete seine Leistung mit der Note Eins, der Tagesspiegel nannte ihn „ohne Zweifel den Besten“. Dennoch blieb es beim Remis, Hertha wurde am Ende Dritter.

Trotz großer Erfolge – Vizemeisterschaft 1975, DFB-Pokal-Finalteilnahmen 1977 und 1979, sowie das dramatische UEFA-Pokal-Halbfinale 1979 gegen Roter Stern Belgrad – blieb der ganz große Wurf aus. Brück selbst sagte einmal: „Leider ist uns der ganz große Wurf nie gelungen.“

Loyal bis zum Abstieg – und darüber hinaus

Brück hielt Hertha auch nach dem Abstieg 1980 die Treue und führte die Mannschaft in der Zweitligasaison 1980/81 als Kapitän an. In 40 von 42 Saisonspielen stand er auf dem Platz. Sein 398. und letztes Pflichtspiel für Hertha absolvierte er am 30. Mai 1981 beim 6:0-Erfolg gegen den OSV Hannover.

Seine Karriere begann Brück eher zufällig in Berlin: Herthas Co-Trainer Hans Eder war 1972 eigentlich nach Kassel gereist, um einen anderen Spieler zu beobachten, entdeckte aber auch Brück. Hertha verpflichtete beide – eine gute Entscheidung.

Legende in Kassel: Brück rettete den KSV Hessen

Nach einem Intermezzo bei den Calgary Boomers in der North American Soccer League kehrte Brück 1982 zu seinem Heimatverein KSV Hessen Kassel zurück. 1989 führte er die Hessen in die Zweite Liga. Noch mit 42 Jahren bestritt er sein letztes Zweitligaspiel an seinem Geburtstag.

Nach der Insolvenz des Traditionsklubs 1998 gründete Brück den Verein neu. Er übernahm das Präsidentenamt, akquirierte Sponsoren, stellte einen Kader zusammen und lief mit 51 Jahren sogar noch für die erste Mannschaft auf, wenn Not am Mann war. Später wurde er Ehrenvorsitzender. Der Verein schrieb auf seiner Homepage: „Der KSV Hessen trauert um die wohl größte Persönlichkeit seiner Club-Geschichte.“

Brück, der in Kassel viele Jahre ein Sportgeschäft führte, hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Hertha BSC und der KSV Hessen Kassel trauern um einen ihrer größten Spieler.

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