Der Hamburger SV setzt im Training auf eine ungewöhnliche Methode: Eine Ampel überwacht die Laufwege und Belastung von Starstürmer Robert Glatzel. Das System, das an eine Verkehrsüberwachung erinnert, soll Überlastung verhindern und die Leistung optimieren.
So funktioniert die Ampel im HSV-Training
Die Ampel leuchtet in den Farben Grün, Gelb und Rot. Bei Grün darf Glatzel volles Tempo gehen, bei Gelb wird er zur Vorsicht gemahnt, und bei Rot muss er pausieren. Ein Sensor am Trikot misst Herzfrequenz, Geschwindigkeit und Beschleunigung. Die Daten werden an einen Computer übermittelt, der die Ampel steuert.
„Das System ist wie eine Verkehrsampel für den Körper“, erklärte HSV-Trainer Steffen Baumgart. „Es zeigt uns genau, wann Robert an seine Grenzen stößt und wann er sich erholt hat.“ Laut Vereinsangaben wurde die Ampel in den letzten vier Trainingseinheiten getestet. Die Auswertung ergab, dass Glatzels Belastung um 15 Prozent gleichmäßiger verteilt wurde.
Warum ausgerechnet Robert Glatzel?
Der 30-Jährige ist für seinen Einsatz bekannt, neigt aber zu Verletzungen. In der vergangenen Saison fehlte er wegen Muskelproblemen in sechs Spielen. Mit der Ampel will der Verein solche Ausfälle minimieren. „Robert gibt immer 110 Prozent. Manchmal müssen wir ihn vor sich selbst schützen“, sagte Fitnesscoach Daniel Böhm.
Die Idee stammt aus der Leichtathletik, wo ähnliche Systeme bereits bei Sprintern eingesetzt werden. Der HSV adaptierte sie für den Fußball und ist bundesweit einer der ersten Klubs mit dieser Technik. „Wir wollen nicht nur Glatzel, sondern langfristig das gesamte Team damit ausstatten“, so Baumgart weiter.
Reaktionen: Skepsis und Begeisterung
Bei den Fans stieß die Ampel zunächst auf Verwunderung. In sozialen Medien wurde der „HSV-Ampelmann“ zum Gesprächsthema. Doch die Spieler selbst reagierten positiv. „Es ist ungewohnt, aber hilfreich“, kommentierte Glatzel. „Ich merke jetzt bewusster, wann ich eine Pause brauche.“
Sportwissenschaftler Prof. Dr. Karl-Heinz Müller von der Universität Hamburg lobte die Initiative: „Die Ampel ist ein innovatives Tool, das individuell auf den Athleten zugeschnitten werden kann. Wenn sie richtig kalibriert ist, kann sie Verletzungen vorbeugen und die Trainingssteuerung revolutionieren.“
Ausblick: Kommt die Ampel in die Bundesliga?
Der HSV testet das System zunächst bis zur Winterpause. Sollten die Ergebnisse überzeugen, plant der Klub, die Ampel auch in Pflichtspielen einzusetzen – allerdings ohne farbige Signale, da dies nicht erlaubt ist. Stattdessen würde der Trainer per Kopfhörer Anweisungen geben. „Die Technik dahinter ist das Entscheidende“, betonte Baumgart. „Ob sie nun Ampel heißt oder anders, ist zweitrangig.“
Bis dahin bleibt der HSV-Vorstoß ein spannendes Experiment. Mit Glatzel als erstem Probanden zeigt der Zweitligist, dass er bereit ist, neue Wege zu gehen – selbst wenn sie an eine Verkehrskontrolle erinnern.



