Der 1. FC Köln hat scharfe Kritik an den Plänen von FIFA-Präsident Gianni Infantino geübt, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Sportchef Thomas Kessler und Finanzgeschäftsführer Philipp Türoff warnten davor, den Fußball zu einer reinen Geldmaschine zu machen und die Fans zu vergessen.
Kessler: „Das Rad wird deutlich mehr als nur überdreht“
„Diese Weltmeisterschaften sind für die Menschen da. Wenn man aber sieht, dass nur noch privilegierte Menschen zu dem Turnier fahren können, die ein extrem dickes Portemonnaie haben, und jetzt auch noch Investoren reingeholt werden sollen, um das Ganze noch lukrativer zu machen und mit noch mehr Geld zu füllen – dann wird das Rad deutlich mehr als nur überdreht“, sagte Kessler dem Kölner Stadtanzeiger. Der 40-Jährige betonte, dass der Fußball den Menschen nicht entzogen werden dürfe. „Fußball darf den Menschen nicht entzogen werden. Ich sage, es gibt für alles eine Grenze. Wir sind dafür da, die Menschen glücklich zu machen. Und die FIFA hat eine riesige Verantwortung dafür, das Rad eben nicht zu überdrehen.“
Türoff: „Wirtschaftliche Entwicklung darf Fußball nicht entziehen“
Philipp Türoff, Sprecher der Geschäftsführung des 1. FC Köln, pflichtete bei: „Wirtschaftliche Entwicklung ist wichtig, darf aber niemals dazu führen, dass der Fußball den Menschen entzogen wird, die ihn überhaupt erst groß gemacht haben. Es geht für mich im Kern um die Frage: Wem gehört der Fußball? Für uns ist klar: Der Fußball ist für die Menschen da. Wir sehen die aktuellen Überlegungen der FIFA, externe Investoren an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft zu beteiligen, beim 1. FC Köln daher kritisch.“
Eberl hatte bereits scharfe Töne angeschlagen
Bereits zuvor hatte Bayerns Sportvorstand Max Eberl (52) Infantino attackiert: „Selbst mich, der im Fußball zu Hause ist, ekelt das an. Ich schäme mich, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden. Der Fußball gehört uns nicht, das ist ein Spiel. Die FIFA ist für mich da, um dieses Spiel zu begleiten, in Formen und Regeln zu bringen, Weltmeisterschaften auszurichten. Momentan habe ich das Gefühl, die FIFA ist dafür da, nur Profit zu machen. Es fühlt sich an, als ob nur Geld verdient werden will auf allen möglichen Kanälen.“ Eberl unterstützt sogar Überlegungen der UEFA, die WM aus europäischer Sicht zu boykottieren. Die Kölner Klub-Bosse sehen dies offenbar ähnlich.
Infantino (56) hatte zuvor angekündigt, die FIFA wolle Anteile an den WM-Rechten an private Investmentfonds verkaufen, um die Einnahmen zu steigern. Die Pläne stoßen in der gesamten Fußballwelt auf massive Ablehnung. Der 1. FC Köln reiht sich nun in die Riege der Kritiker ein und fordert eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte des Sports.



