Hummels’ harte Deutschland-Wahrheit: Tiki-Taka-Kopie als Ursache für den Niedergang
Während Spanien und Argentinien um den WM-Titel kämpfen, stellt sich die Frage: Warum ist Deutschland so weit zurückgefallen? Im Vorprogramm bei Magenta TV diskutierten Mats Hummels, Thomas Müller, Tabea Kemme und Jürgen Klopp schonungslos über die Nachwuchsarbeit des DFB. Hummels äußerte deutliche Kritik an der Entwicklung seit 2010.
Auf die Frage von Moderatorin Laura Wontorra, wo die einst erfolgreiche Jugendarbeit verloren gegangen sei, erklärte Hummels: „Ich weiß nicht, ob es 100 Prozent stimmt. Aber mein Eindruck war so ein bisschen, dass man um 2010 rum dachte, man muss jetzt dieses vermeintliche Tiki-Taka der Spanier und des FC Barcelona kopieren, was damals State of the Art war.“
Technisch stark, aber ohne Dribbler: Die Folgen der Kopie
Der Weltmeister von 2014 glaubt, dass dadurch zwar viele technisch starke Fußballer ausgebildet wurden, andere Qualitäten aber verloren gingen. „Da sind ein Haufen Spieler rausgekommen, die alle richtig gut zocken können, die sind technisch sauber, die spielen einen guten Pass, die können gut verlagern. Es fehlt erstmal in Deutschland an richtigen Dribblern. Leute, die den Ball haben, die Momente kreieren können aus dem Nichts.“
Außerdem kritisierte Hummels den Fokus auf kurzfristige Erfolge im Nachwuchsbereich. „Es war ein bisschen so, dass zu kurzfristig die Ergebnisse zu wichtig waren. Dass athletische oder in der Jugend athletisch stärkere Spieler gegenüber denen eine Chance bekommen, die erst später athletisch werden.“
Thomas Müller: Individuelle Entwicklung zu vernachlässigt
Auch Thomas Müller sieht Defizite in der Talentförderung. „Mir kommt es so vor, als sei die individuelle Entwicklung weniger wichtig als der mannschaftliche Erfolg. Und mannschaftlichen Erfolg kriegst du schon mit gutem Spielsystem, sehr viel Wert auf Taktik und diszipliniertem Spielen als Team. Die Spanier sind mit ihren Jugendmannschaften – und wir können die mal als Vorbild nehmen – immer jünger. Und spielen da trotzdem immer in Finals. Wir kaufen das oft eher so mit älteren Spielern, die als Mannschaft gut funktionieren. Und eben nicht, dass wir nicht den aktuell besseren Spieler spielen lassen, sondern den, in dem wir mehr Potential sehen.“
Jürgen Klopp fordert dringende Reformen
Zum Abschluss machte der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp deutlich, dass aus seiner Sicht dringender Handlungsbedarf besteht. „Das muss sich richtig angeguckt werden. Und zwar richtig.“ Die Runde bei Magenta TV machte klar: Die deutsche Nachwuchsarbeit steht vor einem Umbruch. Die Kritik von Hummels, Müller und Klopp zeigt, dass der DFB seine Strategie überdenken muss, um wieder an die Weltspitze anzuknüpfen.



