Infantino-Deal geplatzt: Stürzt der Fifa-Boss über WM-Verkauf?
Infantino-Deal geplatzt: Stürzt der Fifa-Boss?

Gianni Infantino hat seinen umstrittenen Plan zum Teilverkauf künftiger Fußball-Weltmeisterschaften offiziell begraben. Der Präsident des Weltverbandes Fifa erklärte in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme, der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt. Der Deal hätte den Verkauf von 20 bis 30 Prozent der WM-Vermarktungsrechte an Investoren vorgesehen – darunter eine Gruppe um Joshua Kushner, den Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

„Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, begründete der Fußball-Boss seine abrupte Kehrtwende.

Noch vor zwei Wochen schien alles anders: Gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump hatte Infantino Spanien den WM-Pokal überreicht und einen Erlös von 15 Milliarden Dollar durch das Turnier verkündet. Der Erfolg währte jedoch nur kurz. Schon wenige Tage später formierte sich massiver Widerstand gegen die Verkaufspläne.

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Drei Kontinentalverbände sagen Nein

Am Mittwoch beschlossen die 55 Mitgliedsverbände der Uefa einstimmig, im Fall einer Umsetzung des Deals sämtliche WM-Spiele zu boykottieren. Ein WM-Turnier ohne Europa? Uli Hoeneß (74) spottete: „Wenn Infantino Fidschi-Inseln gegen Kapverden haben will, dann kann er es haben.“

Die Fifa stellte sich am Freitagmorgen zunächst hinter ihren Präsidenten und erklärte, an dem Plan festzuhalten. Der Widerstand sei allein auf falsche Berichterstattung der Presse zurückzuführen. Doch nur wenige Stunden später folgten zwei herbe Rückschläge.

Nach Europa sowie Mittel- und Nordamerika verweigerte auch der asiatische Fußballverband die Zustimmung. In einer Erklärung, die Infantino nicht namentlich erwähnt, wird die geheime Planung des Verkaufs scharf kritisiert. Die Asiaten fordern die Fifa auf, ihre Entscheidungsstrukturen zu überprüfen. Rechnet man die ablehnenden Stimmen aus allen drei Kontinentalverbänden zusammen, ergibt sich eine Mehrheit von 136 der 211 Fifa-Mitgliedsländer. Für den Verkauf wäre das das endgültige Aus gewesen.

Rücktritt und offene Rebellion

Inmitten der Krise erklärte Fifa-Chefberater Carlos Cordeiro seinen Rücktritt. Der frühere Banker fand harsche Worte: „Es ist ein schlechtes Geschäft für die Fifa-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft des Sports.“

Noch am selben Abend schoss Fifa-Betriebsdirektor Kevin Lamour über die Nachrichtenagentur AP scharf gegen Infantino. Die Mitarbeiter des Weltverbandes seien „getäuscht“ worden und hätten „etwas Besseres verdient als Verachtung und Einschüchterung“. Lamour ließ keinen Zweifel an seiner Haltung: „Es ist das Projekt einer einzigen Person. Dieses Projekt darf nicht nur nicht umgesetzt werden. Und wenn das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann soll es so sein.“

Balogun-Affäre belastet Infantino zusätzlich

Der Fifa-Präsident steht jedoch nicht nur wegen des gescheiterten Investoren-Deals unter Druck. Bereits während der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko hatte er heftige Kritik auf sich gezogen. Damals wurde eine Sperre gegen den US-Stürmer Folarin Balogun aufgehoben, nachdem sich Präsident Donald Trump persönlich eingeschaltet hatte. Die Aufhebung ermöglichte Balogun einen Einsatz im Achtelfinale – ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang. Die Fifa versicherte, die Entscheidung sei von der formal unabhängigen Disziplinarkommission getroffen worden. Dennoch blieb der Eindruck einer politischen Einflussnahme haften.

Was bedeutet das für Infantinos Zukunft?

Nun stellt sich die Frage, ob Infantino diese Niederlage übersteht. Am 18. März 2027 wird der Fifa-Präsident gewählt. Für den 56-Jährigen wäre es nach jetzigem Stand die dritte und nach den Statuten letzte Amtszeit, die bis 2031 laufen würde. Eigentlich hatte Infantino geplant, anschließend als Chef der Fifa-WM-Firma zu fungieren und dort die Hoheit über die Weltmeisterschaften zu behalten. Dieser Plan ist nun in weite Ferne gerückt.

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Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie schnell aus Macht Ohnmacht werden kann. Der einmütige Widerstand der Kontinentalverbände, der Rücktritt seines engsten Beraters und die Attacke aus den eigenen Reihen sind deutliche Zeichen. Beobachter rechnen damit, dass die Diskussion um Infantinos Führungsstil weiter an Fahrt aufnimmt. Ob der Fifa-Boss die Kurve kratzen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Der einstige Höhenflug nach dem WM-Triumph ist abrupt beendet – die Infantino-Dämmerung könnte tatsächlich der Vorbote eines Absturzes sein.