Ceuta-Krise: 67 Tote, 48.000 Rückkehrer – EU berät
Ceuta-Krise: 67 Tote, 48.000 Rückkehrer – EU berät

Nach dem beispiellosen Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta hat sich die Lage laut Innenministerium weitgehend beruhigt. Mindestens 67 Menschen kamen bei dem Versuch, die Grenze zu erreichen, ums Leben. Die Regionalregierung zählt rund 60.000 Ankömmlinge, Madrid geht von 50.000 aus.

Todeszahlen und Rückkehr zur Normalität

Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach bei einer Pressekonferenz in Ceuta von „traurigen, dramatischen Ereignissen“. Nach weniger als 48 Stunden sei nun in der spanischen Exklave „eine Rückkehr zur Normalität im Gange“, fügte er hinzu. Das Innenministerium in Madrid beziffert die Zahl der Rückkehrer auf 48.000 – nahezu alle Ankömmlinge hätten Ceuta wieder verlassen.

Die Ereignisse hatten in der EU eine Debatte über Migration und Grenzkontrollen ausgelöst. Experten der EU-Mitgliedstaaten wollen sich noch am heutigen Samstag in einer Krisensitzung über die Entwicklungen der vergangenen Tage austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte. Es wird nicht erwartet, dass die Öffentlichkeit nach den Gesprächen über Inhalte informiert wird.

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EU-Krisensitzung und diplomatische Bemühungen

Am Montag kommen die Botschafter der EU-Staaten zusammen, um die Entwicklungen zu bewerten und die weitere Koordinierung zu erleichtern. Neben den Ankünften in Ceuta der letzten Tage und der Zahl der nach Marokko zurückgekehrten Menschen werde es heute auch um die Unterstützung der EU für Spanien und die diplomatischen Bemühungen mit Marokko gehen, sagte der Sprecher.

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner versicherte nach einem Telefonat mit Spaniens Außenminister José Manuel Albares: „Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.“ Nach Albares Angaben kehrten nahezu alle der mindestens 50.000 Menschen, die nach Ceuta gelangt waren, nach Marokko zurück. Beim Überqueren der Grenze übers Meer kamen mindestens 67 Menschen ums Leben, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die lokale Vertretung des spanischen Innenministeriums.

Neue Versuche an den Grenzzäunen

Trotz fehlender Aussichten auf Aufnahme oder Weiterreise versuchten Medienberichten zufolge am Freitagabend Hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen. Insbesondere mit Blick auf Ceuta war dies aber eine erhebliche Entspannung der Lage. Spanische Soldaten verhinderten den Zugang vom Meer zum Strand. In den vergangenen Tagen hatten sich viele Menschen schwimmend Zugang zu Ceuta verschafft.

In der Exklave Melilla kontrollierten in der Nacht zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil den Grenzverlauf. Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den dortigen Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von „mehreren Versuchen“. Am Abend war es an der Grenze zwischen Marokko und Melilla laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten gekommen. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten.

Spaniens Regierungschef gegen Kritik

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und Europa nicht zu spalten. „Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig“, schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht.

Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien, ließ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstärken.

Deutschland und die EU-Außengrenzen

Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, betonte der CDU-Politiker.

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Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den Straßen übernachtet. Die Tragödie wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Migrationsproblematik an der EU-Außengrenze und die unterschiedlichen Auffassungen der Mitgliedstaaten über den Umgang mit Schutzsuchenden.