Vor anderthalb Jahren spielte Sidny Lopes Cabral noch in der deutschen 3. Liga. Nun trifft der Linksverteidiger mit dem Außenseiter Kap Verde bei der Fußball-Weltmeisterschaft auf Titelverteidiger Argentinien (Samstag, 0.00 Uhr MESZ/Magenta TV). In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ klagt der 23-Jährige den weiterhin grassierenden Rassismus im Fußball an.
Rassistische Anfeindungen in sozialen Medien
„Es ist schlimm, dass das im Jahr 2026 immer noch passiert. Spieler vertreten ihr Land und werden trotzdem so behandelt. Das ist nicht akzeptabel“, sagte Lopes Cabral. Er bezieht sich dabei auf Anfeindungen, denen Spieler aus Deutschland oder den Niederlanden nach dem Ausscheiden ihrer Teams in den sozialen Netzwerken ausgesetzt sind.
Der gebürtige Rotterdamer kam mit 19 Jahren zum deutschen Regionalligisten Rot-Weiß Erfurt. Über Viktoria Köln und den portugiesischen Erstligisten Estrela Amadora wechselte er im Januar 2026 zu Benfica Lissabon. Nach der WM wird er für rund zehn Millionen Euro zum türkischen Pokalsieger Trabzonspor weiterziehen.
Rassistische Erfahrungen in Deutschland
Lopes Cabral berichtet auch von rassistischen Ausfällen in Deutschland. „Weniger in Erfurt selbst. Aber bei Spielen kam es vor, dass ich rassistisch beleidigt wurde, zum Beispiel bei einem Spiel gegen Jena. Die Menschen in Deutschland wissen sicher, dass einige Fußballfans in ihrem Land sehr, sehr rassistisch sind“, sagte er.
Im Februar 2026 wurde er indirekt Opfer eines Eklats, bei dem sein Benfica-Kollege Gianluca Prestianni in einem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid den Brasilianer Vinícius Junior rassistisch beleidigt haben soll und dafür gesperrt wurde.
Fälschliche Anschuldigungen und rassistische Beleidigungen
Dem Kap-Verde-Profi wurde hinterher fälschlicherweise vorgeworfen, sein Trikot mit Vinicius Junior getauscht und sich dadurch illoyal gegenüber Benfica verhalten zu haben. „Man hat mich in vielen Nachrichten beleidigt, auch rassistisch beschimpft, Affe genannt. Ich habe irgendwann mein Handy ausschalten und die Kommentarfunktion unter meinen Posts deaktivieren müssen“, erzählte Lopes Cabral.



