Kevin Keegan: Der Superstar, der die Bundesliga verzauberte, ist tot
Kevin Keegan: Bundesliga-Superstar im Alter von 75 Jahren gestorben

Kevin Keegan, der 1977 als erster britischer Superstar in die Bundesliga wechselte und den Hamburger SV prägte, ist tot. Der frühere englische Nationalspieler starb im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung, wie seine Familie mitteilte. Keegan, der wegen seiner geringen Körpergröße und seiner außergewöhnlichen Spielweise den Spitznamen „Mighty Mouse“ trug, begeisterte die Massen sowohl in Liverpool als auch in Hamburg.

Vom Liverpooler Star zum HSV-Idol

Als Keegan im Sommer 1977 vom FC Liverpool zum HSV wechselte, war der Transfer eine Sensation. Der „Kicker“ berichtete, dass Keegan „fünfmal so viel wie die Großverdiener im britischen Fußball“ und „viermal so viel wie der britische Premierminister“ verdiente. Die Ablösesumme machte ihn zum teuersten und bestbezahlten britischen Fußballer aller Zeiten. Doch der Start in Hamburg war holprig. Keegan fühlte sich von seinen Mitspielern nicht ausreichend eingebunden und dachte sogar über eine Rückkehr nach England nach: „Die geben mir keinen Ball, also behalte ich ihn zu lange, wenn ich ihn mal habe“, klagte er. Der Grund für seine Unzufriedenheit war auch taktischer Natur: „Ich gehe wieder nach England, weil beim HSV der Trainer in der Mitte steht, ich muss im Kreis um ihn rumlaufen. In England ist es genau andersherum.“

Kampf gegen Vorurteile und hohe Erwartungen

Die hohe Gage und die Extras, wie ein vom HSV finanzierte Mietshaus mit Swimmingpool und Tennisplatz, sorgten für Neid bei den Mitspielern. Keegan selbst war sich seiner Verantwortung bewusst: „Ich bekomme viel Geld vom HSV, aber ich verdiente es bisher nicht redlich, weil ich gar nicht oft genug den Ball bekam, um mit meiner Leistung zeigen zu können, dass ich das Geld auch wert bin. Also habe ich zu Netzer gesagt, entweder er sorgt dafür, dass ich öfter den Ball bekomme, oder er verkauft mich!“ Manager Günter Netzer hielt jedoch an Keegan fest und unterstützte ihn. Diese Unterstützung zahlte sich aus: Keegan entwickelte sich zum Publikumsliebling und führte den HSV 1979 zur deutschen Meisterschaft.

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Legendäre Momente auf und neben dem Platz

Keegan sorgte immer wieder für Schlagzeilen. Bei einem Freundschaftsspiel gegen den VfB Lübeck flog er vom Platz und wurde für zwei Monate gesperrt. Seine Rechtfertigung: „Mein Gegenspieler hat mich mehrmals ungestraft gefoult, und jedes Mal grinste er mich dabei frech an. Ich wusste, dieser Mann wollte mich kaputtmachen. … Ich habe ganz kühl überlegt und dann zweimal zugeschlagen. Lieber zwei Monate Sperre als drei Monate Krankenhaus!“ Auch abseits des Rasens war Keegan ein Phänomen. Seine Schallplatte „Head over Heels in Love“ verkaufte sich europaweit über 400.000 Mal. Für einen HSV-Sponsor schlüpfte er in die Rolle des „Super-Kevin“, eines Comic-Helden, der für sparsamen Energieverbrauch kämpfte.

Abschied aus Hamburg und Rückkehr nach England

1980 verließ Keegan Hamburg und kehrte nach England zurück, wo er seine Karriere bei Newcastle United ausklingen ließ. Später wurde er Trainer und führte Newcastle 1996 zur Vizemeisterschaft. Sein Abschied von den Magpies 1997 wurde von Fans wie ein nationaler Trauerfall betrachtet. Fanklub-Sekretär John Regan sagte damals: „Die Leute sagen, dass sein Weggang wie der Tod der Queen sei. Dabei ist es noch viel schlimmer.“ Keegan blieb dem HSV stets verbunden. Anfang 2026, als seine Krebserkrankung bekannt wurde, übermittelten ehemalige Kollegen wie Horst Hrubesch und Bernd Wehmeyer in einem emotionalen Video Genesungswünsche. Der frühere ARD-Reporter Fritz Klein rief in Erinnerung an Keegans Tore: „Dreimal Keegan, was wäre der HSV ohne diesen Superstar? Der Kleinste war mal wieder der Größte.“

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Ein Vermächtnis der Spielfreude

Kevin Keegan starb einen Tag nach dem WM-Endspiel 2026. Er hinterlässt eine Frau und zwei Töchter. Seine Art, Fußball zu spielen – mit unerschütterlicher Spielfreude und einem Lächeln, selbst nach harten Fouls – bleibt unvergessen. Gegenspieler Ennatz Dietz vom MSV Duisburg schwärmte einst: „Keegan lässt sich nicht unterkriegen. Dem haut einer auf die Gräten, schon steht er wieder auf und lächelt dich an. … Dem fällt nach einem Sieg erst in der Kabine wieder ein, dass er jetzt auch noch Geld dafür kriegt.“ Schiedsrichter Ahlenfelder ergänzte: „Der wurde gefoult, stand auf, wurde wieder getreten, aber lief immer weiter. Kein Ton, gar nichts!“ Ruhe in Frieden, liebe „Mighty Mouse“.