Ex-Nationalspieler Sami Khedira hat das erneute frühe Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei einem großen Turnier scharf kritisiert und als „Quittung für die letzten Jahre“ bezeichnet. Der Weltmeister von 2014 sieht die Ursache nicht nur in der aktuellen Mannschaftsleistung, sondern vor allem in strukturellen Problemen der Nachwuchsarbeit.
Khedira: „Ausbildungsthema“ und fehlende Leader
„Wir dürfen die Spieler und Kinder nicht nur in Watte packen und sagen, das Gewinnen ist nicht mehr wichtig und nur die perfekte Technik zählt“, sagte Khedira im Podcast des „Waiblinger Zeitungsverlags“. Er sprach von einem „Ausbildungsthema“: Auf dem „absoluten Topniveau“ brauche es „die Kombination aus Mentalität, Führungsqualitäten und natürlich Technik, Pass- und Abschlussfähigkeiten“. „Mir fehlen aktuell die Leader, die wir nicht in dem Ausmaß haben. Und das spiegelt sich in Spielen wie gegen Paraguay wider.“
Die DFB-Auswahl war bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko am Montag im Sechzehntelfinale im Elfmeterschießen gegen Paraguay ausgeschieden. Zuvor war Deutschland 2018 in Russland und 2022 in Katar bereits in der Vorrunde gescheitert. „Ich bin sehr erschüttert über das Ausscheiden“, sagte Khedira. Nach einem guten Start gegen Curaçao und einer kämpferisch starken Leistung gegen die Elfenbeinküste seien die letzten beiden Spiele „sehr erschreckend“ gewesen. Zum Abschluss der Gruppenphase hatte Deutschland gegen Ecuador verloren.
Mitschuld von Bundestrainer Nagelsmann
Khedira machte deutlich, dass weder ein einzelner Spieler noch Bundestrainer Julian Nagelsmann allein verantwortlich seien. Nagelsmann trage aber „eine Mitschuld“. „Aktuell reicht es einfach nicht für die Weltklasse“, konstatierte der 39-jährige Ex-Profi. An Partien wie gegen Paraguay zeige sich, dass es nicht nur technisch perfekt ausgebildete Spieler brauche, sondern „ein Stück weit noch die alten Tugenden“: „Leidenschaft und die Gier, bis ins letzte Detail alles rauszuholen“ seien „absolute Basics“. Man müsse mitunter „so leiden, dass es einem auch mal selbst richtig weh tut“.
Khediras Kritik reiht sich ein in eine Debatte über die deutsche Nachwuchsförderung, die nach dem frühen Aus erneut aufgeflammt ist. Der frühere Mittelfeldspieler forderte eine Rückbesinnung auf Werte wie Kampfgeist und Führungsstärke, die seiner Ansicht nach in der Ausbildung zu kurz kommen.



