Kimmichs persönliches WM-Novum: Endlich ein K.o.-Spiel
Acht Jahre musste Joshua Kimmich auf diesen Moment warten. Mit 31 Jahren und in seinem 114. Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft wird der Kapitän am Montag (22.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) gegen Paraguay erstmals ein K.o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft bestreiten. Bei seinen vorherigen WM-Teilnahmen 2018 und 2022 war Deutschland jeweils in der Gruppenphase gescheitert. „Das ist eine besondere Motivation, endlich in der K.o.-Runde zu stehen“, sagte Kimmich vor der Partie.
Belastung durch vergangene WM-Desaster
Trotz der historischen Premiere für den Bayern-Profi ist die Stimmung nicht unbeschwert. Die Rückschläge von 2018 und 2022 lasten offenbar schwer auf Kimmichs Schultern. In der Gruppenphase wirkte der Kapitän nicht so souverän und prägend wie gewohnt. Nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador mehrten sich die Zweifel an der Formation im Mittelfeld.
Positionsstreit flammt wieder auf
Pünktlich zur entscheidenden Turnierphase wird die ewige Debatte um Kimmichs optimale Position wieder laut: Rechtsverteidiger oder zentrales Mittelfeld? Bundestrainer Julian Nagelsmann stellte klar, dass Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha auch im vierten WM-Spiel im Mittelfeld beginnen sollen. „Ich will auf Felix und Pavlo nicht verzichten“, sagte Nagelsmann. Kimmich selbst reagierte genervt auf die ständigen Fragen: „Das ist einzig und allein die Entscheidung des Trainers. Und da, wo er das Gefühl hat, dass ich am besten weiterhelfen kann, wird er mich aufstellen.“
Völler: Kimmich auf beiden Positionen weltklasse
Sportdirektor Rudi Völler wurde ebenfalls zum Thema befragt. Der 66-Jährige sagte: „Die Diskussion gab es schon immer. Weltklasse ist er auf der rechten Verteidigerposition, Weltklasse im zentralen Mittelfeld ist er auch.“ Völler betonte jedoch, dass die Entscheidung allein bei Nagelsmann liege. „Am Ende entscheidet das Julian mit seinem Trainerteam.“
Hybrid-Rolle als Lösung?
Nagelsmann setzt Kimmich in einer Art Hybrid-Rolle ein: In Ballbesitz rückt er ins Mittelfeld und übernimmt die Spielmacherrolle. „Da spielt er im Grunde die gleiche Position wie bei Bayern München, da kippt er auch immer nach rechts hinten“, erklärte der Bundestrainer. Diese Flexibilität soll die Defensive stabilisieren und gleichzeitig Kimmichs Stärken im Spielaufbau nutzen.
Kimmichs Fokus: Weniger Gegentore und Ballverluste
Für Kimmich steht nicht die Positionsdebatte im Vordergrund, sondern die sportliche Korrektur seiner WM-Bilanz. „Wir dürfen nicht in jedem Spiel ein, zwei Gegentore bekommen und müssen die Ballverluste minimieren“, forderte der Kapitän. Gegen Paraguay erwartet er eine deutliche Steigerung. Völler zeigte sich überzeugt von Kimmichs Führungsqualitäten: „Er ist in jeder Hinsicht ein absoluter Top-Kapitän, ein Fahnenträger, wie ich gerne sage.“
Geheimplan für mögliches Duell mit Frankreich
Sollte Deutschland das Achtelfinale erreichen, droht ein Duell mit Weltmeister Frankreich. Um die Tempovorteile von Stars wie Kylian Mbappé oder Ousmane Dembélé zu kompensieren, könnte Nagelsmann auf eine Dreierkette umstellen – und Kimmich dann ins Mittelfeld beordern. „Im Fußball kann man nichts ausschließen, aber ein Wechsel ist akut nicht geplant“, sagte Nagelsmann mit Blick auf das Paraguay-Spiel. Für Kimmich zählt zunächst nur die Premiere: sein erstes WM-K.o.-Spiel.



