Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer – das sorgt in Berlin für geteilte Reaktionen. Während einige Fans den Erfolgscoach als Retter der Nationalmannschaft feiern, kritisieren andere seinen Wechsel zu Red Bull als Verrat an den Idealen des Fußballs. Ein Stimmungsbild vom Public Viewing in der Kulturbrauerei.
Begeisterung bei Dortmund-Fans
Stephan Hagenfeld, der sich selbst als „Mister Fanmeile“ vorstellt, ist begeistert: „Ich finde das echt geil. In meinen Augen ist er der einzige, der das vielleicht noch rumreißen kann.“ Als Dortmund-Fan kennt er Klopps Fähigkeit, angeschlagenen Teams neues Leben einzuhauchen. „Er hat das super gemacht und er hat diese Ausstrahlung.“ Sein Kumpel Ronny Miekey stimmt zu: Klopp sei ein Sympathieträger. „Das könnte was werden.“
Mit sportlichen Prognosen halten sich beide zurück. „Ich hoffe, dass wir zur EM in zwei Jahren eine vernünftige Mannschaft haben und weit kommen“, so Miekey. Hagenfeld hat eine klare Idee: „Klopp muss jetzt die alten Spieler rausschmeißen und es müssen neue Leute kommen.“
Kritik von St.-Pauli-Fan: „Er hat die Ideale des Fußballs verlassen“
Nicht alle teilen die Begeisterung. Jens, St.-Pauli-Fan, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, sagt: „Er war mal ein Sympathieträger, aber jetzt hätte er bei Red Bull bleiben sollen. Er hat die Ideale des Fußballs verlassen. Am Anfang war er noch bei guten Vereinen, aber seit er bei dem Konzern war, finde ich ihn nicht mehr so gut.“ Sportlich erwartet er dennoch, dass Klopp „einen guten Job“ machen werde. Allerdings fordert er Reformen im DFB: „Nur der Bundestrainer kann nicht schuld daran sein, dass die Nationalmannschaft die letzten drei WMs so schlecht war.“
Klopps Popularität als Trumpf
Viele Fans setzen auf Klopps Ausstrahlung. Fabian aus Berlin betont: „Er hat die richtige öffentliche Statur, um die 82 Millionen Bundestrainer abzuwehren.“ Auf die Frage, ob Klopp ein Sympathieträger sei, antwortet er: „Klar, da muss man doch nur in Liverpool nachfragen. Die lieben ihn.“ Ob die deutsche Bevölkerung ihn bald ebenfalls lieben wird? „Die liebt jeden Bundestrainer, der siegt. Das war schon immer so.“
Taktische Erwartungen: Teambuilding statt Konzeptfußball
Traugott, der ein Frankreichtrikot trägt, blickt optimistisch auf Klopps taktische Fähigkeiten. „Nagelsmann war eher ein Konzepttrainer, der ein bestimmtes Spielprinzip durchdrücken wollte. Vielleicht funktioniert das in der Nationalmannschaft in der Form gar nicht, weil der Trainer wenig Zeit mit den Spielern verbringt.“ Klopp hingegen sei jemand, dessen Stärken im Teambuilding und in der Motivation liegen – genau das, was die Nationalmannschaft jetzt brauche. „Klopp ist jemand, der sagt: Geht raus und spielt Fußball!“
Gleichgültigkeit und der Wunsch nach frischem Wind
Das Thema emotionalisiert nicht alle. Einige DFB-Trikot-Träger zucken nur mit den Schultern und haben keine Meinung. Der 18-jährige Timon sagt: „Aber mir ist am Ende egal, wer es macht. Hauptsache, derjenige macht einen guten Job und es gibt mal etwas frischen Wind. Die deutsche Leistung bei dieser WM war schlecht.“
Einig sind sich die Fans vor Ort: Die WM war aus deutscher Sicht eine große Enttäuschung. Beim nächsten Turnier möchte man länger dabei sein und die Begeisterung und Spannung des Public Viewings erleben.



