Im Kölner Amateurfußball sorgte ein Wiederholungsspiel in der Kreisliga A für Empörung. Der FC Pesch gewann am Sonntag gegen Olympia Köln mit 4:2 und sicherte sich damit den Klassenerhalt. Das Duell war nötig geworden, nachdem ein Pesch-Spieler im Juni den Schiedsrichter bedroht hatte, was zum Spielabbruch führte. Das Bezirkssportgericht ordnete eine Wiederholung an – ein Urteil, das weitreichende Debatten auslöste.
Vorgeschichte: Bedrohung und Spielabbruch
Bereits im Juni standen sich beide Teams gegenüber. Beim Stand von 4:3 für Olympia Köln bedrängte und bedrohte ein bereits ausgewechselter Spieler des FC Pesch den Schiedsrichter so massiv, dass dieser das Spiel abbrechen musste. Das Kreissportgericht wertete die Partie daraufhin mit 2:0 für Olympia und verurteilte Pesch zum Abstieg. Der betreffende Spieler wurde für sechs Spiele gesperrt.
Doch der FC Pesch legte Berufung ein – mit Erfolg. Das Bezirkssportgericht entschied, dass der Schiedsrichter nicht alle Mittel ausgeschöpft habe, um den Abbruch zu verhindern. Das Spiel müsse wiederholt werden. Pascal Ervens, 1. Vorsitzender in Pesch, sagte dem Portal „FuPa“: „Das Urteil bestätigt, dass wir nicht im Unrecht waren. Das ist mir wichtig, denn unser Ruf hat in den letzten Wochen arg gelitten.“ Der 19-jährige Schiedsrichter beendete nach den Vorfällen seine Laufbahn.
Olympia Köln kritisiert Urteil scharf
Olympia-Trainer Victor Eboa zeigte sich empört: „Pesch erhält nun eine komplett neue sportliche Chance, obwohl die Situation, die zum Spielabbruch geführt hat, aus den eigenen Reihen entstanden ist. Damit zieht Pesch aus diesem Vorfall letztlich einen Vorteil und genau das ist für uns das völlig falsche Signal.“ Auf Instagram stellte Olympia die Frage: „Wenn die Bedrohung eines Schiedsrichters am Ende belohnt wird – was ist Schiedsrichterschutz noch wert?“ Der Beitrag erhielt binnen kürzester Zeit über 30.000 Likes und Hunderte empörter Kommentare.
Olympia Köln teilte mit: „Wir würden dieses Spiel am liebsten nicht spielen. Aber uns wurde klar kommuniziert: Treten wir nicht an, droht uns ein Punktabzug für die kommende Saison.“ So kam es zur absurden Partie, die auf Antrag des FC Pesch ohne Zuschauer stattfand.
Absurde Rahmenbedingungen
Da die vergangene Saison bereits beendet war, durften beide Teams auf neue Spieler zurückgreifen. Der FC Pesch nutzte dies und schickte Neuzugänge aus der Mittelrheinliga sowie Spieler aus der eigenen Landesliga-Mannschaft ins Rennen. Olympia kündigte an: „Viele von euch schreiben uns, wir sollen Eigentore schießen oder das Spiel ins Lächerliche ziehen. Das haben wir tatsächlich in Betracht gezogen. Wir haben uns aber entschieden, sportlich und ernsthaft anzutreten. Wir haben dieses Spiel im Juni schon einmal gewonnen und schenken nichts her.“
Die Ausgangslage war klar: Nur mit einem Sieg konnte der FC Pesch die Klasse halten, während der eigentlich gerettete SC West absteigen müsste. Ein Antrag auf Aufstockung der Kreisliga A war zuvor abgelehnt worden.
Das Spiel und die Folgen
Das kleine Fußball-Wunder blieb aus: Der FC Pesch gewann die Partie mit 4:2 und sicherte sich den Klassenerhalt. Der sportlich abgestiegene und durch die Sportgerichtsbarkeit wiederbelebte Verein bleibt damit in der Kreisliga A. Die Debatte um den Schutz von Schiedsrichtern und die Glaubwürdigkeit des Amateurfußballs dürfte jedoch anhalten.



