Lustrinellis ungewöhnliche Heimat: FC Thun und die Idylle vor dem Bundesliga-Abenteuer
Lustrinellis ungewöhnliche Heimat: FC Thun vor Bundesliga

Mauro Lustrinelli (50) startet mit Union Berlin ins Bundesliga-Abenteuer. Der Schweizer Meistertrainer tauscht seine Idylle im Berner Oberland gegen die Hektik der Hauptstadt. BILD hat sich in Lustrinellis alter Heimat umgesehen, gut 1000 Kilometer von der Alten Försterei entfernt, wo alles anders ist als in Berlin.

Die außergewöhnliche Kulisse des FC Thun

Nahe am Thunersee, umgeben von Gebirgsketten, liegt die Stockhorn-Arena. Von der Stadiontribüne bietet sich ein freier Blick auf herrliche Berge und den namensgebenden Berg Stockhorn. Eine atemberaubende Szenerie. Doch nicht nur die Kulisse ist beim FC Thun außergewöhnlich, auch die Trainingsbedingungen sind es. Ein Trainingszentrum, wie deutsche Bundesligisten es haben, sucht man in der 44.000-Einwohner-Stadt Thun vergeblich. Trainiert wird im Stadion – auf Kunstrasen. Einen separaten Trainingsplatz für die Profis gibt es nicht.

Kurios: Trikots selbst beflockt

Noch kurioser: Die Trikots beflockte der Verein lange selbst. Die Druckpresse steht in den Stadionkatakomben. Als Zweitligist mussten die Thuner nicht nur Spielernamen und Nummern, sondern auch Sponsoren und Liga-Logos in Handarbeit aufdrucken. Mittlerweile kommen die Hemden vorbehandelt an – ein kleiner Fortschritt im sonst stillen Berner Oberland.

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Kein Fanshop in der Altstadt

Ein Fanshop in einer der Gassen der Altstadt im Schatten des Thuner Schlosses? Fehlanzeige. Trikots, Tassen und Taschen mit Thun-Logo gibt es nur am Stadion zu kaufen – trotz des weltweit für Aufsehen sorgenden Durchmarschs von der zweiten Liga zur Meisterschaft. Linus Veethak, Leiter des Fanshops, erklärt: „Ein Fanshop in der Stadt wird von vielen Fans zwar gewünscht, wäre aber ein größeres Projekt, welches finanziellen Auslagen und auch erhöhte personelle Ressourcen mit sich führen würde. Wir sind jetzt zwar Schweizer Meister, aber immer noch der FC Thun.“

Thuns ruhiger Hype

Mit seinem Fußballwunder, dem Titelgewinn Ende Mai, hat der FC Thun einen Hype ausgelöst. Gut fünf Wochen später ist in den Straßen davon wenig übrig. Während in deutschen Städten Ultras mit Graffitis das Revier ihrer Vereine markieren, entdeckt man in Thun wenig vom Meister-Klub. Veethak erklärt: „Thun ist eine Sportstadt mit unzähligen Sportvereinen. Das ist ein bisschen anders als in vielen deutschen Städten.“ Lustrinelli konnte in seinem ehemaligen Wohnort Steffisburg, gut 15 Minuten vom Stadion entfernt, ein ruhiges Leben genießen. Auf BILD-Nachfrage heißt es in den Geschäften: „Lustrinelli? Ach der ... Ich weiß gar nicht, ob ich den erkennen würde, wenn er jetzt hier hereinkommt.“ In Berlin, rund um Köpenick, wird das ganz anders sein.

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