Die italienische Fußball-Nationalmannschaft versinkt im Chaos. Der Technische Direktor Paolo Maldini und sein Berater Leonardo haben nach nur 16 Tagen im Amt ihren Rücktritt erklärt. Zuvor hatte Weltmeister Andrea Pirlo seine Kandidatur als Nationaltrainer zurückgezogen. Der Verband FIGC steht nun vor einem Scherbenhaufen.
Maldini und Leonardo: Abgang nach 16 Tagen
Paolo Maldini, der gemeinsam mit Leonardo erst am 11. Juli seine Position angetreten hatte, informierte Verbandspräsident Giovanni Malagò noch während einer Sitzung in Rom über den Rücktritt. Wie Sky Italia berichtet, bestätigten Teilnehmer der Sitzung den Abgang zunächst nicht offiziell – doch die italienischen Medien sind sich einig: Die beiden Hoffnungsträger kehren dem Verband den Rücken. Maldini, 58 Jahre alt und eine Legende des AC Mailand, sollte den Neuanfang nach der verpassten WM-Qualifikation einläuten. Nun ist er nach 16 Tagen Geschichte.
Pirlos Rückzieher: Russland-Kontakte als Stolperstein
Die Ursache des Chaos ist die gescheiterte Trainerpersonalie. Eigentlich sollte Andrea Pirlo, der 116-malige Nationalspieler und Weltmeister von 2006, die „Azzurri“ übernehmen. Nach der Absage von Wunschkandidat Josep Guardiola schien Pirlo der sichere Kandidat. Berichten zufolge hatten sich Verband und Pirlo bereits auf einen Vierjahresvertrag mit dem Ziel WM 2030 geeinigt. Doch dann kamen Berichte über Pirlos Russland-Kontakte auf, die die Verpflichtung gefährdeten.
Der 47-jährige Ex-Mittelfeldstar trainiert derzeit den United FC Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten – ein Klub, der dem russischen Milliardär Sergej Lomakin gehört. Zudem ist Pirlo globaler Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet. Vor einigen Wochen war er zu einer Autogrammstunde in Moskau, was angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für helle Empörung sorgte. Die Kritik wurde so laut, dass der Verband offenbar Abstand nahm.
Auf Instagram wies Pirlo zunächst alle Vorwürfe zurück. In einem späteren Beitrag schrieb er jedoch: „Ich habe erfahren, dass ich nicht mehr als Kandidat für den Trainerposten im Gespräch bin.“ Die gesamte Debatte verfolge er „mit großer Bitterkeit“. Eine offizielle Stellungnahme des Verbandes gab es nicht.
Kettenreaktion mit fatalen Folgen
Das Aus für Pirlo dürfte auch den Rücktritt Maldini ausgelöst haben. Maldini hatte sich vehement für seinen früheren Teamkollegen eingesetzt. Nachdem Guardiola abgesagt hatte, war Pirlo für ihn die logische Wahl. Nun stehen die Italiener ohne Technischen Direktor und ohne Trainer da. Die Mannschaft hat im Frühjahr zum dritten Mal in Folge die WM verpasst – nach 2018 und 2022 nun auch 2026. Der damalige Trainer Gennaro Gattuso, ebenfalls Weltmeister von 2006, musste gehen. Pirlo und Gattuso standen damals gemeinsam in der siegreichen Elf.
Seit dem Ende seiner Spielerkarriere bei Juventus Turin, Inter Mailand und dem AC Mailand trainierte Pirlo unter anderem Juventus und Sampdoria Genua – jedoch mit mäßigem Erfolg. Sein Name allein schien dem Verband dennoch ausreichend, um die Fans zu beruhigen. Doch die Russland-Affäre machte einen Strich durch die Rechnung.
Zukunft ungewiss: Wer übernimmt Italiens Fußball?
Der italienische Verband muss nun einen neuen Technischen Direktor und einen neuen Nationaltrainer finden. Die Liste der Kandidaten ist kurz, die Zeit drängt. Die EM 2028 und die WM 2030 sind die nächsten großen Ziele. Ob es gelingt, einen erfahrenen Trainer wie Antonio Conte oder Roberto Mancini zu überzeugen, bleibt fraglich. Das Chaos in Rom könnte noch lange nachwirken.



