Nach tagelangem Chaos hat die Suche nach einem neuen Trainer für Italiens kriselnde Fußball-Nationalmannschaft ein Ende: Auf den Chefposten kehrt Roberto Mancini zurück, der die Squadra Azzurra 2021 zur Europameisterschaft geführt hatte – der einzige große Titel der jüngeren Vergangenheit. Der 61-Jährige hatte sich damals für viel Geld nach Saudi-Arabien verabschiedet, was ihm in seiner Heimat großen Ärger einbrachte. Als Technischen Direktor bekommt er eine andere italienische Trainergröße zur Seite: Claudio Ranieri, zuletzt unter Vertrag bei AS Rom.
Chaotische Trainersuche mit Hindernissen
Die Personalien gab der neue Präsident des italienischen Fußballverbands, Giovanni Malagò, nach tagelangem Hin und Her in Rom bekannt. Der Posten des Commissario Tecnico war bereits seit Anfang April vakant, nachdem der bisherige Coach Gennaro Gattuso aufgrund des dritten verpassten WM-Qualifikationserfolgs in Folge zurücktreten musste. Zunächst sagte Wunschkandidat Pep Guardiola ab. Daraufhin war Andrea Pirlo im Gespräch, der Italien 2006 als Spielmacher zum WM-Titel geführt hatte. Ihm wurden jedoch zu enge Kontakte nach Russland zum Verhängnis: Pirlo trainiert in Dubai den United FC eines russischen Milliardärs, wirbt für einen russischen Wettanbieter und gab mitten im Ukraine-Krieg Autogrammstunden in Moskau. Verbandschef Malagò legte sein Veto ein, auch aus der italienischen Politik gab es massive Kritik.
Rücktritte und neue Konstellation
Daraufhin traten der erst vor zwei Wochen verpflichtete Technische Direktor Paolo Maldini und dessen Berater Leonardo von ihren Verbandsämtern zurück, da sie Pirlo trotz allem gern verpflichtet hätten. Im Gespräch war ein Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 mit einem Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro zuzüglich Erfolgsprämien. Jetzt soll Mancini, ein persönlicher Freund des Verbandspräsidenten, die Squadra Azzurra zurück zu alter Größe führen. Der frühere Stürmer war bereits von 2018 bis 2023 Nationaltrainer, Höhepunkt war der EM-Titel 2021 im Elfmeterschießen gegen England. Sein Ruf leidet bis heute darunter, dass er sich trotz bestehenden Vertrages vor drei Jahren nach Saudi-Arabien verabschiedete – angeblich mit einem Vierjahresvertrag für 25 Millionen Euro pro Saison.
Mancinis Karriere und nächste Aufgaben
In Saudi-Arabien blieb Mancini nur etwas mehr als ein Jahr, dann wechselte er nach Katar zu Al-Sadd. Als Spieler stand er für Sampdoria Genua auf dem Platz, gewann viermal den italienischen Pokal und einmal die Meisterschaft. Später spielte er bei Lazio Rom und Leicester City. Als Vereinscoach holte er Meisterschaften mit Inter Mailand und Manchester City. Die nächsten Spiele für Italien sind Ende September in der Nations League gegen Belgien, die Türkei und Frankreich. Als Technischen Direktor bekommt Mancini den 74-jährigen Ranieri zur Seite. Zwischenzeitlich war dafür auch Giorgio Chiellini im Gespräch, der EM-Sieger von 2021, der aber erklärte, mit seiner Arbeit als Manager bei Juventus Turin glücklich zu sein.



