Berlin. Im vierten Teil der Spider-Man-Saga droht Peter Parker hinter seiner eigenen Legende zu verschwinden. Nach den Ereignissen von „No Way Home“ kennt niemand mehr den jungen Mann hinter der Maske. MJ erinnert sich nicht an ihn, Ned ebenso wenig. Spider-Man ist berühmt, Peter Parker dagegen praktisch ausgelöscht. Er fristet ein einsames Dasein in einem ausgebauten Dachboden hoch über den Dächern von Queens.
Einsamkeit und Verlust
Peter Parker ist zum ersten Mal wirklich auf sich allein gestellt. Tony Stark ist tot, Tante May ebenfalls. Doctor Strange hat ihn vergessen, Happy Hogan weiß nicht mehr, wer er ist. Die Menschen, die ihm Orientierung gegeben haben, existieren nur noch als Erinnerung. Peter bleibt nur Spider-Man, bezahlt jeden Sieg mit etwas, das sich nicht zurückholen lässt: einer Freundschaft, einer Liebe oder einem Stück seines alten Lebens.
Der Mensch hinter der Maske
Regisseur Destin Daniel Cretton interessiert sich erstaunlich wenig für den nächsten Weltuntergang. Ihn interessiert der Mensch hinter der Maske. Peter versucht, die Leerstelle in seinem Leben mit Spider-Man zu füllen. Jede Mission ersetzt eine Beziehung, jede Rettung soll den Schmerz betäuben. Irgendwann droht Peter Parker hinter seiner eigenen Legende zu verschwinden.
Mutation als Metapher
Die neue Mutation im Film ist mehr als ein Comic-Effekt. Peters Sinne spielen verrückt, organische Netze brechen plötzlich aus seinem Körper, ein Inhibitor soll die Spinnenhormone kontrollieren. Natürlich ist das Comiclogik. Gleichzeitig beschreibt sie präzise dieses Lebensgefühl Anfang zwanzig, wenn der Körper schneller Veränderungen durchmacht als der Mensch selbst.
Tom Hollands Leichtigkeit
Tom Holland trägt den Film mit einer Leichtigkeit, die leicht zu unterschätzen ist. Viele Schauspieler würden Peter Parker nach den Ereignissen von „No Way Home“ gebrochen oder zynisch spielen. Holland bewahrt sich sein eigenes Staunen. Mitten in einer grandiosen Actionszene gegen eine Gruppe rotgekleideter Ninjas hält er plötzlich inne, schaut sich um und sagt grinsend: „Das ist so cool.“ Ein kurzer, beiläufiger Satz, der seine Spielfreude auf den Punkt bringt.
Ein sicherer Ton und geerdete Action
Der Film findet einen erstaunlich sicheren Ton. Spider-Man im Hamam bei Black Widow (Florence Pugh), eine kurze Unterhaltung mit Dr. Eric Banner (Mark Ruffalo) auf dem Campus, eine WG-Party bei MJ (Zendaya) und Ned (Jacob Batalon). Die kleinen Gags entstehen aus Peters Blick auf die Welt und nicht aus dem Reflex, jede ernste Szene mit einem lockeren Spruch aufzulösen. Auch die Action bleibt angenehm geerdet. Das Schwingen durch die Hochhäuser Manhattans vermittelt Freiheit.
Ohne Sicherheitsnetz
Der Film nimmt seinem Helden konsequent jedes Sicherheitsnetz. Nicht nur die Mentoren sind verschwunden. Auch MJ steht für mehr als eine verlorene Liebe. Sie erinnert Peter an ein Leben, das er nie zurückbekommen wird. Ausgerechnet der junge Mann, der täglich andere rettet, findet keinen Weg zurück in sein eigenes Leben. Während Spider-Man New York rettet, muss Peter Parker lernen, ohne Netz und doppelten Boden zu leben. Sein bisher größter Kampf in einem seiner besten Filme.
Action/Science-Fiction, USA 2026, 145 min., von Destin Daniel Cretton, mit Tom Holland, Zendaya, Mark Ruffalo. *****



