Matthäus kritisiert DFB nach Nagelsmann-Aus: Vertrag ohne Weitsicht
Matthäus: DFB-Vertrag mit Nagelsmann ohne Weitsicht

Nach dem überraschenden Aus von Julian Nagelsmann als Bundestrainer hat TV-Experte Lothar Matthäus dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) schwere Versäumnisse bei der Vertragsgestaltung vorgeworfen. Der Rekordnationalspieler kritisierte im Interview mit RTL/ntv, dass die DFB-Verantwortlichen vor rund neun Monaten ohne Not einen Vertrag mit dem 38-Jährigen abgeschlossen hätten – zu hohem Gehalt und ohne wirksame Ausstiegsklausel.

Matthäus: Vertrag ohne Ausstiegsklausel war fatal

„Wenn er in der Vorrunde ausgeschieden wäre, dann wäre eine Lösung laut Vertrag wahrscheinlich möglich gewesen. Aufgrund dessen, dass er das Sechzehntelfinale erreicht hat, war der Vertrag dann eben über die nächsten zwei Jahre gültig“, erklärte der 65-Jährige. Er bemängelte, dass der DFB bei den Verhandlungen nicht in die Zukunft geblickt habe: „Man darf nicht nur mit der Hoffnung in der Gegenwart davon ausgehen, dass man eine erfolgreiche Weltmeisterschaft spielt.“ Die Vertragsgestaltung sei „nicht glücklich“ gewesen.

Der DFB hatte Nagelsmann im Frühjahr 2023 bis zur WM 2026 verpflichtet, nachdem die Nationalmannschaft zuvor sportlich enttäuscht hatte. Nach dem Vorrundenaus bei der WM in Katar wurde der Vertrag vorzeitig verlängert – ohne dass der Verband sich eine vorzeitige Trennung zu vertretbaren Kosten gesichert hätte. Nun muss der DFB laut Medienberichten eine Abfindung in Höhe von mehreren Millionen Euro zahlen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hohe Abfindung belastet DFB-Finanzen

Matthäus kritisierte, dass der Verband das Geld dringend für andere Zwecke benötige: „Das ist sehr viel Geld, was man ganz sicher auch für andere Zwecke beim DFB verwenden hätte können.“ Er betonte, dass die Verantwortlichen den Vertrag „nicht unter Zwang, sondern aus Überzeugung“ abgeschlossen hätten – eine Entscheidung, die sich nun als teurer Fehler erweise.

Der DFB steckt bereits in finanziellen Schwierigkeiten. Die hohen Kosten für die Trennung von Nagelsmann könnten die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen. Experten schätzen die Abfindung auf bis zu fünf Millionen Euro.

Matthäus vermisst Tugenden und fordert Umdenken

Neben der Vertragskritik äußerte Matthäus auch deutliche Worte zur sportlichen Situation der Nationalmannschaft. Wie zuvor bereits Bastian Schweinsteiger und Oliver Kahn vermisste er bei den WM-Spielen bis zum Ausscheiden gegen Paraguay wichtige Tugenden. „Wir müssen wieder Fußball arbeiten. Es geht nicht nur um Technik, es geht um Leidenschaft. Es geht um Eigenschaften, die zum Fußball dazugehören“, sagte der TV-Experte.

Insbesondere bei den Niederlagen gegen Ecuador und Paraguay sei der Gegner „mit Tugenden, die uns immer ausgezeichnet haben, überlegen gewesen“. Matthäus forderte ein Umdenken beim DFB: „Wir müssen wieder zu gewissen alten Tugenden zurückkommen, und die fangen im Nachwuchs an.“ Er hoffe, dass der Verband von Entscheidungen wie „kein Abstieg, keine Sieger und Ehrenurkunden“ abrücke. „Leistung muss belohnt werden. Auch bei uns“, betonte der Weltmeister von 1990.

Der DFB steht nun vor der Aufgabe, einen Nachfolger für Nagelsmann zu finden und gleichzeitig die finanziellen und sportlichen Weichen für die Zukunft zu stellen. Matthäus‘ Kritik zeigt, dass der Druck auf die Verbandsspitze wächst.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration