Matthäus: Klopp erinnert mich an Franz Beckenbauer – Parallelen und Erwartungen
Matthäus: Klopp erinnert mich an Franz Beckenbauer

Lothar Matthäus, Weltmeister-Kapitän von 1990 und WM-Experte 2026, sieht deutliche Parallelen zwischen dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp und der deutschen Fußballlegende Franz Beckenbauer. In seiner Kolumne für BILD und SPORT BILD hebt Matthäus hervor, dass beide durch ihre Ausstrahlung und internationale Strahlkraft überzeugen, wenngleich die Ursprünge dieser Wirkung unterschiedlich sind.

„Ich bin bereit!“ – Ein Satz verbindet zwei Ären

Matthäus erinnert an Beckenbauers legendäre Worte „Ich bin bereit!“ aus dem Jahr 1984, als er sich überreden ließ, Teamchef der deutschen Nationalmannschaft zu werden. Genau diesen Satz habe nun auch Jürgen Klopp gesagt, der sich mit dem DFB auf einen Vertrag als Bundestrainer bis 2030 geeinigt hat. Noch begleitet Klopp die WM als Experte für Magenta TV. Matthäus betont, dass Beckenbauer und Klopp vor allem ihre Ausstrahlung und internationale Strahlkraft gemeinsam haben, aber mit unterschiedlichen Ursprüngen.

Beckenbauer: Der alles überragende Libero

Franz Beckenbauer war schon damals, knapp ein Jahr nach seinem Karriereende, ein „Ruf wie Donnerhall“. Er war der alles überragende, technisch brillante und elegante Libero, der mit scheinbarer Leichtigkeit alles gewonnen hatte: Europameister, Weltmeister, mehrmals Deutscher Meister und Europapokalsieger. Matthäus beschreibt, wie die Spieler zu Beckenbauer aufschauten und sein Wort Gesetz war. Doch Beckenbauer hatte eine besondere Gabe, seine Mannschaften zu lenken, indem er Führungsspieler in Entscheidungen einbezog. Er bereitete sich akribisch auf Gegner vor, fragte nach Meinungen und war fähig, seine eigene zu ändern. Er war ehrgeizig, emotional, jähzornig, aber auch einfühlsam und manchmal unsicher. Matthäus erinnert sich an Beckenbauers Schwierigkeiten, harte Entscheidungen mitzuteilen, etwa vor dem Halbfinale 1990 gegen England. Insgesamt schuf Beckenbauer eine fast einzigartige Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens. Ein Beispiel: Vor dem Finale 1990 gegen Argentinien war Rudi Völler angeschlagen, und Beckenbauer überließ ihm die Entscheidung, ob er spielen könne. Völler spielte und holte den entscheidenden Elfmeter heraus.

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Klopp: Der „Normal One“ mit besonderem Charisma

Jürgen Klopps Strahlkraft hat andere Quellen als die von Beckenbauer. In der Öffentlichkeit ist Klopp auch deshalb so beliebt, weil er als Spieler bei Weitem nicht so begnadet und erfolgreich war wie Beckenbauer – es aber trotzdem ganz nach oben geschafft hat. Bei den Fans gilt er als einer von ihnen; er verkörpert den durch ehrliche Arbeit wahr gewordenen Traum vom Aufstieg. Matthäus betont, dass Klopp als Trainer jedoch viel weiter ist, als Beckenbauer es 1984 war. Beckenbauer hatte nie einen Trainerschein gemacht, sondern gab Richtung, Taktik und Strategie vor und delegierte Aufgaben an ein starkes Trainer-Team. Klopp hingegen verdankt seinen enorm guten Ruf seinen Erfolgen als Trainer: in Mainz, wo er 2001 als noch aktiver Abwehrspieler und studierter Sportwissenschaftler zunächst als Interims-Coach ein sprang und den Klub 2004 in die Bundesliga führte; danach bei Borussia Dortmund mit Schale, Pokal und Champions-League-Finale; und schließlich sein internationales Meisterstück beim FC Liverpool mit Champions-League-Sieg, Meisterschaft und Pokalsieg. Trotz aller Rückschläge ist Klopp sich selbst und seiner Linie immer treu geblieben und hat sich weltweit höchste Anerkennung verdient.

Respekt der Superstars – Ein sichtbarer Ausdruck

Ein sichtbarer Ausdruck für Klopps Ansehen ist, dass bei der WM Superstars wie Ibrahimovic seine Interviews crashen oder Messi und Mbappé ihn am Spielfeldrand abklatschen. Spieler, die einst Gegner seiner Mannschaften waren oder mit denen er über Transfers verhandelt hat, begegnen ihm voller Respekt. Klopp stellte sich einst beim FC Liverpool mit den Worten „I am the normal one“ vor, eine Reaktion auf José Mourinhos „The special one“. Klopp hat bewiesen, dass man auch als „normal one“ zugleich ein „special one“ sein kann.

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Erwartungen an Klopp als Bundestrainer

Matthäus erwartet von Klopp, dass er eine Mannschaft aufbaut, in der sich die Spieler auf ihren Positionen wohlfühlen und ihre Qualitäten bestens zur Geltung bringen können. Die Balance zwischen Defensive und Offensive müsse deutlich besser werden, ebenso die Körperlichkeit. „Nur mit Fliegengewichten gewinnt man keine Meisterschaften“, so Matthäus. Klopp müsse das Leistungsprinzip wieder in Kraft setzen und strikt durchziehen. Er ist bekannt für die Nähe zu seinen Spielern und wird – wie Beckenbauer – nahbar sein, aber Geschenke werde es bei ihm nicht geben.

Zeit für den großen Erfolg?

Beckenbauer brauchte zwei Jahre, um ins WM-Finale 1986 zu führen, zwei weitere bis ins Halbfinale bei der Heim-EM 1988, und nach insgesamt sechs Jahren wurden sie Weltmeister. Klopps Vertrag läuft vier Jahre bis zur WM 2030. Matthäus ist optimistisch: „Wir haben keine schlechten Spieler, im Gegenteil. Wir haben in der Nationalmannschaft schon jetzt sehr großes Potenzial. Und auch in der Zukunft, gerade wenn ich die Ergebnisse der U21, U19 und U17 in den letzten Jahren sehe. Man muss dieses Potenzial konsequent entwickeln, mit einer klaren Idee und einem guten Konzept.“ Allerdings brauche man auch erfahrene Führungsspieler. Matthäus traut Jürgen Klopp absolut zu, dass er der richtige Trainer ist, um beides erfolgreich zusammenzuführen.