Nick Woltemade, der Stürmer, der vor einem halben Jahr noch als einer der vielversprechendsten Spieler Deutschlands galt, erlebt nach seinem verschossenen Elfmeter im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay einen dramatischen Absturz. Wenige Sekunden nach dem Fehlschuss legte er die Hände auf den Kopf und blickte zu Boden – ein Bild, das für viele von dieser Weltmeisterschaft bleiben wird. Kurz darauf war Deutschland ausgeschieden.
Woltemade übernimmt Verantwortung
„Ich wollte Verantwortung übernehmen und ich habe Verantwortung übernommen. Das bedeutet aber gleichzeitig, mit den Konsequenzen leben zu müssen – auch wenn es weh tut“, schrieb der 24-Jährige auf Instagram. Er erhielt viel Trost und Zuspruch, unter anderem von Hoffenheims Stürmer Fisnik Asllani („Weiter geht’s, Bro!!“) und dem früheren Bundesliga-Stürmer Simon Terodde („Kopf hoch!!! Das tut weh jetzt! Hut ab, dass du zum Punkt gegangen bist! Verantwortung gezeigt! Du gehst deinen Weg!“).
Vom Hype zum Fall
Die Transformation vom Helden zum Antihelden verlief bei Woltemade im Eiltempo. Noch vor wenigen Monaten schwärmten alle von diesem Stürmer, der trotz seiner Größe durch feine Technik und herausragendes Spielverständnis besticht. Die besten Scouts der Premier League schätzten ihn auf rund 75 Millionen Euro, und Newcastle United überwies vor der Saison 2025/26 eine entsprechende Summe an den VfB Stuttgart. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann hielt große Stücke auf ihn: In den WM-Qualifikationsspielen gegen Nordirland, Luxemburg und die Slowakei erzielte er vier Treffer und war gesetzt.
Doch dann kam die Leistungsdelle. Woltemade verkrampfte, traf bei Newcastle nicht mehr und landete auf der Ersatzbank. Auch in der Nationalmannschaft setzte Nagelsmann ihn nicht mehr in der Startelf ein. Bei der WM spielte er bis auf den Elfmeter fast keine Rolle mehr. Sein Marktwert stürzte von 70 Millionen auf 55 Millionen Euro ab – immer noch absurd hoch, aber ein deutliches Zeichen für den Niedergang.
Nagelsmanns Zweifel und die Zukunft
Die „Spiegel“-Enthüllung, dass Nagelsmann vor der WM sogar überlegt haben soll, den Zweitligastürmer Niccolò Tresoldi anstelle von Woltemade zu nominieren, zeigt das Ausmaß der Krise. Ein anonymer „Insider“ behauptete dies. Dabei war Woltemade noch im Spätherbst des Vorjahres eine feste Größe.
Doch es gibt Hoffnung: Sein Klubtrainer Eddie Howe und der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp haben mehrfach betont, dass sie trotz der Schaffenskrise auf ihn setzen. „Ich mag Nicks Art, Fußball zu spielen, seine Vollstrecker-Qualitäten, wie er finisht“, sagte Klopp. „Da nutzt er jedes Gelenk, um noch an den Ball zu kommen. Er macht die Unmöglichen rein. Wir alle wissen, wie gut er war, als er beim VfB mitgespielt hat.“
Der Fall Woltemade zeigt, wie schnell es im Spitzenfußball bergab gehen kann – und wie sehr der Hype um junge Stars die Realität verzerrt. Ob er sich erholen kann, wird die Zukunft zeigen.



