Spanien steht bei der WM 2026 im Viertelfinale und trifft an diesem Freitag (21 Uhr, ZDF und Magenta) auf Belgien. Die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente hat bisher kaum für Schlagzeilen gesorgt, doch die Defensive ist das Prunkstück. Torwart Unai Simón hat in fünf Spielen keinen Gegentreffer kassiert und damit einen 36 Jahre alten Rekord gebrochen.
Unai Simón bricht Rekord von Walter Zenga
Seit der Vorrunde der WM 2022 in Katar, als Spanien gegen Japan ein Gegentor hinnehmen musste, sind 609 Spielminuten vergangen – mehr als zehn Stunden ohne Gegentreffer. Damit übertraf Simón nicht nur seinen Landsmann Iker Casillas, sondern auch den Italiener Walter Zenga, der 1990 bei der WM ebenfalls fünf Spiele in Folge zu Null gespielt hatte. „Ich bin das Gesicht, das die Anerkennung bekommt“, sagte Simón. „Aber am Ende sind wir 26 Spieler, die jeden Tag versuchen, unser Tor zu verteidigen. Der Schlüssel ist, dass wir stabil sind, von Oyarzabal bis zu mir.“
Defensive Stabilität als Erfolgsfaktor
Spanien lässt kaum Chancen zu. In fünf Spielen musste Simón erst sechs Schüsse parieren. Die zugelassenen Expected Goals (xG) betragen insgesamt nur 1,5 – der beste Wert des Turniers. Das liegt an einem System, das den Gegner selten in gefährliche Situationen kommen lässt. Mit 65,6 Prozent Ballbesitz ist Spanien das balldominanteste Team. Die Grundlagen des Ballbesitzfußballs werden in den Nachwuchsakademien gelehrt: Technik, Passspiel, Dreiecke bilden und Kontrolle des Zentrums.
Im Mittelfeld dirigiert Rodri, der Gewinner des Ballon d’Or 2024, der nach einem Kreuzbandriss wieder in Topform ist. Mit Pedri und Dani Olmo bildet er ein ballsicheres Trio. In der Innenverteidigung überzeugen Aymeric Laporte und der 19-jährige Pau Cubarsí. Trainer de la Fuente lässt mit hohem Risiko spielen: Die Abwehr schiebt weit nach vorn, um Druck auszuüben, was Räume im Rücken öffnet. Doch das exzellente Gegenpressing verhindert, dass Gegner kontrollierte Bälle in die Tiefe spielen können. 7,2-mal pro Spiel gewinnen die Iberer den Ball im Angriffsdrittel – nur Uruguay hatte einen besseren Wert, ist aber bereits ausgeschieden.
Kollektiv als Schlüssel
„Wir sind ein Team, in dem alle angreifen und alle verteidigen. Der Trainer sagt uns immer, dass der Mittelstürmer unser erster Verteidiger sein muss“, sagte Dani Olmo. Diese Taktik erfordert vollen Einsatz aller Spieler. Auch Superstar Lamine Yamal, der noch nicht an seine EM-Form anknüpfen konnte, arbeitet defensiv mit. „Lamine hat noch nicht so brilliert, wie wir uns das von ihm erhoffen. Aber zuletzt musste er sehr viel defensiv arbeiten, was ihn sehr erschöpft hat. Das war eine Reifeprüfung“, erklärte de la Fuente.
Parallelen zu 2010
Die Hoffnungen auf den zweiten WM-Titel sind groß. „Die großen Teams, die Titel gewinnen, sind meistens die mit der besten Defensive“, sagte Marc Cucurella. Die Parallelen zu 2010 liegen auf der Hand: Damals kassierte Spanien nur zwei Gegentore und gewann alle K.o.-Spiele mit 1:0. „Das Ziel ist nicht nur, das Viertelfinale zu überstehen. Wir sollen Weltmeister werden!“



