Jan-Lennard Struff feiert in Wimbledon Achtelfinal-Premiere
Struff feiert in Wimbledon Achtelfinal-Premiere

Jan-Lennard Struff hat in Wimbledon Geschichte geschrieben: Der 36-jährige Davis-Cup-Spieler besiegte den früheren US-Open-Sieger Daniil Medwedew aus Russland mit 7:6 (7:4), 7:6 (7:5), 7:5 und zog erstmals in seiner Karriere ins Achtelfinale des Rasen-Klassikers ein. „Es war Wahnsinn“, sagte ein überglücklicher Struff nach dem Match. „Es war ein unglaublich gutes Match. Ich wusste, dass ich sehr gut spielen muss, um ihn zu schlagen. Was soll ich sagen – ich bin happy.“

Struffs Aufholjagd und kurioser Videobeweis

Wie schon in seinen beiden Fünf-Satz-Siegen in den ersten Runden zeigte Struff auch gegen Medwedew eine beeindruckende Moral. In allen drei Sätzen lag er zurück – im ersten 1:3, im zweiten 3:5 – und kämpfte sich jeweils zurück. Besonders spektakulär war der dritte Satz: Struff drehte einen 2:5-Rückstand, profitierte dabei auch von einem kuriosen Videobeweis. Bei Breakball für sich ließ er überprüfen, ob Medwedews Ball tatsächlich über das Netz geflogen war. Die Bilder zeigten, dass der Ball durch ein Loch zwischen Netzkante und Pfosten hindurchflog. „Es war ja nicht möglich, dass er anders reingeht“, kommentierte Struff, machte der Schiedsrichterin aber keinen Vorwurf. Er gelang das Break, verkürzte auf 3:5 und gab anschließend kein Spiel mehr ab. Nach 2:49 Stunden unterlief Medwedew beim Matchball für Struff ein Doppelfehler.

Nächste Herausforderung: Hubert Hurkacz

Am Sonntag trifft Struff auf den früheren Wimbledon-Halbfinalisten Hubert Hurkacz aus Polen. Bei einem Sieg würde er erstmals das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreichen. „Es wird eine brutale Aufgabe. Ich werde alles auf dem Platz lassen und werde mir den Arsch aufreißen“, kündigte der Warsteiner an. Das Preisgeld für das Achtelfinale beträgt rund 350.000 Euro. Für sein geplantes Doppel mit Davis-Cup-Kollege Yannick Hanfmann meldete sich Struff ab: „Es wäre zu viel gewesen. Ich kann nicht naiv da hereingehen. Es tut mir leid für Yannick. Aber er hat Verständnis dafür. Ich brauche alle Körner.“

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Deutsche Hoffnungen in Wimbledon

Struff und Alexander Zverev sind die letzten deutschen Herren im Einzel. Zverev, Weltranglistendritter, trifft am Samstag auf den US-Amerikaner Marcos Giron und will ebenfalls ins Achtelfinale einziehen. Struffs Erfolg kommt überraschend, da er in dieser Saison auf der ATP-Tour noch keine zwei Matches nacheinander gewonnen hatte. „Es ist Wimbledon, es ist speziell, es ist toll, einfach hier zu sein“, erklärte er. Viermal war Struff zuvor in Wimbledon in der dritten Runde gescheitert, unter anderem 2024 gegen Medwedew und 2023 gegen Carlos Alcaraz. Die Bilanz gegen den Russen sprach mit einem Sieg aus neun Duellen klar gegen ihn, doch diesmal reichte es. „Das Wichtige ist, niemals aufzugeben. Ich freue mich riesig“, sagte Struff. Doppelspezialist Kevin Krawietz gratulierte: „Weltklasse. Der Sport ist so verrückt, dass man immer wieder eine Chance hat, wenn man dranbleibt.“

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