Nach der hitzigen öffentlichen Kritik von Remco Evenepoel an seinem Teamkollegen Florian Lipowitz bei der Tour de France soll der Zwist beigelegt sein. Doch die nächsten Härtetests für das ungleiche Duo des deutschen Red-Bull-Teams stehen bevor. Beide Fahrer betonen, dass alles geklärt sei, doch Experten wie Jens Voigt sehen einen schwelenden Konflikt.
Hitzige Kritik nach Pyrenäen-Etappe
Auf der Bergetappe in den Pyrenäen hatte Evenepoel öffentlich die fehlende Unterstützung von Lipowitz im Schlussanstieg bemängelt. „Ich habe um einen Kilometer Führungsarbeit gebeten, aber das ging nicht“, schimpfte der belgische Olympiasieger. Lipowitz hingegen hatte im Sprint der Verfolger das Nachsehen gegen den Mexikaner Isaac del Toro. Die Mannschaft verzichtete am Ruhetag auf eine Presserunde, um die Wogen zu glätten.
Versöhnungsvideo mit fragwürdiger Wirkung
Ein auf Instagram veröffentlichtes Video, das beide Fahrer im Teambus zeigt, sollte die Situation entschärfen. Ein Mitarbeiter fragt: „Draußen vor dem Bus warten sie darauf, dass ihr in einem heftigen Streit seid.“ Im Chor antworten beide: „Nein.“ Evenepoel fügte hinzu: „Man redet und man vergisst.“ Doch sein Gesichtsausdruck wirkte versteinert, was im Netz zu höhnischen Kommentaren führte. Ein Nutzer scherzte: „Wir müssen über das Geiselvideo von Evenepoel und Lipowitz sprechen.“
Experte Jens Voigt sieht schwelenden Konflikt
Der ehemalige Profi und Eurosport-Experte Jens Voigt kritisierte Evenepoels öffentliche Kritik scharf: „Die erste und einzige Regel ist: Niemals, niemals, niemals kritisierst du deine eigene Mannschaft.“ Er bezweifelt, dass das Thema vollständig vom Tisch ist. „Ich befürchte, das ist ein kleiner schwelender Konflikt, der nicht mehr völlig zu löschen ist“, sagte Voigt. Möglicherweise wollte Evenepoel mit der markigen Ansage die Kapitänsfrage in seinem Sinne entscheiden.
Leistungsunterschiede als Zündstoff
In den ersten Tagen der Tour war Evenepoel in seinem Spezialgebiet Zeitfahren stärker als Lipowitz und leistete an den leichteren Anstiegen die meiste Arbeit in der Verfolgergruppe hinter den Dominatoren Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard. Doch am ersten wirklich harten Berg, dem Tourmalet, konnte Lipowitz seinem Teamkollegen nicht folgen – anders als vor der Rundfahrt erwartet. In den letzten Wochen der 113. Tour stehen noch mehrere Anstiege dieser Kategorie bevor, die über das Podium entscheiden könnten.
Lipowitz optimistisch für die Zukunft
Lipowitz selbst zeigte sich vor dem Ruhetag zuversichtlich: „Es kommen jetzt mehr härtere Etappen und ich glaube, dann wird es sich langsam selektieren. Gegen Ende der Woche, wenn wir da Richtung Markstein fahren, wird sich sicher noch mal was im Gesamtklassement tun.“ Sollte Lipowitz im Hochgebirge stärker sein, könnte sich die Kapitänsfrage von alleine lösen – und Evenepoel müsste möglicherweise Flaschen für seinen deutschen Teamkollegen holen. Zunächst aber betont Lipowitz: „Ich glaube, wir können soweit happy sein. Wir können jetzt nach vorne schauen.“



