Nach dem vorläufigen Aus für die umstrittenen Investorenpläne der FIFA hat die UEFA mit scharfer Kritik reagiert und FIFA-Präsident Gianni Infantino frontal attackiert. In einer Stellungnahme am Samstagmittag forderte die Europäische Fußball-Union einen grundlegenden Kulturwechsel im Weltverband. Dem Schweizer wird vorgeworfen, einen "schäbigen und undurchsichtigen Deal" eingefädelt zu haben.
"Die aktuelle FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren", hieß es in der Stellungnahme. Weiter erklärte die UEFA: "Wir können nicht länger so weitermachen mit geheimen, in Windeseile durchgepeitschten Plänen, die von anonymen Akteuren ausgeheckt werden und dem Fußball nur zweifelhaften Nutzen bringen. Wir müssen die Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen."
Ein Sieg, aber nicht das Ende
Die UEFA dankte ausdrücklich allen, "die dem FIFA-Präsidenten deutlich gemacht haben, dass Fußball nicht käuflich ist". Das Scheitern der Investorenpläne sei "ein Sieg für den gesamten Fußball". Allerdings dürfe dies nicht das Ende der Geschichte sein, so der Verband. Die Europäer sehen offenbar weiterhin erheblichen Reformbedarf in der FIFA-Führung.
Hintergrund des Konflikts sind Pläne, die bereits seit Wochen für Unruhe in der Fußballwelt gesorgt hatten. Offenbar wollte Infantino externe Investoren in die Organisation der Weltmeisterschaft 2026 einbinden. Mehrere Mitgliedsverbände, nicht nur aus Europa, hatten daraufhin Widerstand angekündigt. Das vorläufige Aus gilt als herbe Niederlage für den FIFA-Präsidenten.
Gebrochene Wahlversprechen
In ihrem Statement erinnerte die UEFA an zwei zentrale Versprechen Infantinos aus dem Jahr 2015. Bei seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten hatte der Schweizer Transparenz zugesagt und angekündigt, die FIFA-Gelder zum Wohle und zur Entwicklung des Fußballs einzusetzen. Genau daran fehle es, erklärt die UEFA.
"Beide Versprechen hat er nicht eingehalten. Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er durchzusetzen versuchte, war alles andere als transparent. Und trotz Reserven von über fünf Milliarden Dollar hat er es auch versäumt, das Geld der Verbände zum Wohle des Fußballs einzusetzen."
Die Reserven der FIFA sind eine der zentralen Kritikpunkte. Über fünf Milliarden Dollar liegen demnach bei den Verbänden, während die Entwicklung des Fußballs in vielen Regionen nur schleppend vorankommt. Die UEFA wirft Infantino vor, diese Mittel nicht im Sinne des Fußballs einzusetzen.
UEFA will neuen Kurs vorschlagen
Die UEFA kündigte als Konsequenz an, "unverzüglich mit Partnern und Interessensgruppen weltweit und aus allen Bereichen des Fußballs" zusammenzuarbeiten. Ziel sei es, einen neuen Weg für die Verteilung der Ressourcen im Rahmen des bestehenden FIFA-Forward-Programms vorzuschlagen. Dieses Programm wurde von der FIFA aufgelegt, um die Entwicklung des Fußballs weltweit zu fördern.
Mit diesem Vorstoß positioniert sich die UEFA als treibende Kraft für Reformen. Gleichzeitig wächst der Druck auf Infantino, der sich bereits mehreren Kritikern aus den eigenen Reihen gegenübersieht. Ob der Investorenplan endgültig vom Tisch ist, bleibt allerdings ungewiss. Die UEFA hat jedoch deutlich gemacht, dass sie weitere derartige Vorhaben nicht hinnehmen wird. "Wir müssen die Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen", heißt es abschließend.



