Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat im Machtkampf mit FIFA-Präsident Gianni Infantino die Eskalation auf die höchste Stufe gebracht. Auf einer Dringlichkeitssitzung aller 55 Nationalverbände beschloss die UEFA einen Boykott aller FIFA-Turniere für den Fall, dass Infantino seinen Plan zum Verkauf von Anteilen an der Weltmeisterschaft an private Investoren durchsetzt. Das gab die UEFA in einer offiziellen Erklärung bekannt.
Einstimmiger Beschluss der 55 Verbände
„Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände stehen geschlossen zusammen. Wir lehnen den Vorschlag der FIFA, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen FIFA-Wettbewerben auf private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ab“, hieß es in dem Statement. Die Weltmeisterschaft dürfe nicht als „Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eines der größten Vermächtnisse des Fußballs.“ Die WM stehe „nicht zum Verkauf“. Die UEFA betonte damit die grundsätzliche Opposition gegen jede Form der Kommerzialisierung, die den Sport zum Spielball von Finanzinteressen macht.
UEFA-Boykottdrohung im Wortlaut
„Als Ergebnis der heutigen Diskussion werden keine UEFA-Nationalmannschaften an FIFA-Wettbewerben teilnehmen, solange diese Vorschläge noch im Raum stehen“, teilte die UEFA knallhart mit. „Es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führungsstrukturen oder Wettbewerbe niemals wieder für private Eigentümer öffnen wird.“ Diese Drohung ist das schärfste Mittel, das die UEFA im Konflikt mit der FIFA einsetzen kann.
Frist und finanzielle Anreize
Die FIFA und Präsident Infantino sind mit ihrem Vorhaben bereits weit fortgeschritten. Laut übereinstimmender Medienberichte setzte Infantino den Mitgliedsverbänden eine Zustimmungsfrist bis zum 19. September 2026. Die Verbände werden mit hohen Summen gelockt: Im Falle einer Zustimmung sollen 20 Millionen US-Dollar (umgerechnet 17,46 Millionen Euro) pro Verband sofort abrufbar sein. Zudem wird mit der Aussicht auf eine nochmals erweiterte Weltmeisterschaft geködert, möglicherweise mit mehr als den aktuell geplanten 48 Teams. Eine einfache Mehrheit der 211 FIFA-Mitglieder soll ausreichen, um die Pläne umzusetzen. Ein Boykott der UEFA könnte Infantinos Kalkül jedoch massiv ins Wanken bringen, da ohne europäische Top-Nationen die WM an sportlichem und kommerziellem Wert verlöre.
Reaktionen aus Deutschland
Der heftigen Kritik aus vielen Richtungen schloss sich am Mittwoch auch Bernd Neuendorf an. „Es ist ein fatales Zeichen, die Fußball-WM für Investoren zu öffnen. Der Fußball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft, wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem Interview mit der Sportschau und dem ZDF. Infantinos Pläne seien „überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig“. Neuendorf unterstrich damit die Haltung des DFB, der sich hinter die UEFA stellt.
Infantinos Verteidigung
Der FIFA-Chef verteidigt sein Vorhaben energisch. Er bezeichnete die Öffnung für Investoren als „eine Gelegenheit, keine Verpflichtung“. Infantino verspricht sich davon die „Erschließung bisher nicht realisierter Werte“. Die „kommerzielle Seite des Fußballs“ zu stärken, sei der logische nächste Schritt in der Entwicklung des Weltverbands. Kritiker befürchten jedoch eine Übernahme durch Private-Equity-Firmen wie CVC Capital Partners, die bereits im europäischen Vereinsfußball aktiv sind.
Ausblick
Ob die UEFA ihre Boykottdrohung wahr macht, hängt nun davon ab, ob Infantino bis zum 19. September nachgibt. Sollte es zum Boykott kommen, wären Turniere wie die Weltmeisterschaft ohne Mannschaften aus Europa sportlich entwertet – und auch kommerziell kaum noch vermarktbar. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die FIFA auf die harte Linie der UEFA eingeht oder den Konflikt weiter eskalieren lässt.



